Höllenpolka
In der Hölle ist alles ganz anders. Die Tuba, sonst eher für klangliche Grundierung zuständig, rückt zum Melodieinstrument auf, wenn man denn ihre bizarre Tonfolge als solche hören will. Die Streicher, sonst eher für melodischen Schmelz zuständig, wispern irisierend. Ein Klanggespinst ohne Mitte, in dem sich Akkorde verschieben, bevor man sie überhaupt wahrgenommen hat. Subkutan trübt sich Dur zu Moll, und die Ohren kommen nicht daran vorbei: Sonne gibt es in der Hölle keine.
Dvorák war ein reifer Meister, als er diesen musikalischen Gang in die Hölle wagte.
Der Teufel, der uns davon erzählt, heißt Marbuel und tanzt auf Erden mit der biestigen Käthe, die sonst niemand so richtig haben will. Sie folgt ihm prompt. Dass es dann nicht, wie versprochen, ein «Schloss» ist, wohin der Weg führt, sondern eben die Hölle, nimmt sie ihm übel. Schon unterwegs macht sie dem armen Teufel zu schaffen, und seine Kollegen stimmen ihm zu: Nichts wie zurück auf die Erde mit der Käthe. Dafür sorgt dann ein gewiefter Schäfer, der die Käthe zwar nicht richtig liebt, aber doch so sympathisch findet, dass er sie retten will vor ewigem Verderben. Schließlich muss auch der Tenor was zu tun haben. Ganz ...
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Ein neuer «Ring» läuft selten sofort rund, zumal wenn ein Haus sich zum ersten Mal an Wagners Opus maximum wagt. Washingtons National Opera etwa musste «Siegfried» in der vergangenen Spielzeit verschieben, Alan Held und Gidon Saks traten stattdessen im «Holländer» auf. Und die «Götterdämmerung» wird im kommenden Jahr nur konzertant zu erleben sein: Francesca...
Er gehört zur Pioniergeneration der Wiederentdeckung der alten, vorbarocken Musik: Alfred Deller war der Erste, der die in England nie ganz ausgestorbene Stimme des männlichen Altus zu neuem Leben erweckte, und er ist bis heute einer der faszinierendsten Vertreter dieses Fachs geblieben. Als Michael Tippett ihn 1944 im Übungsraum der Chorschule in Canterbury hörte...
Der Himmel von Wolken grau verhangen. Der steife Wind jagt die Regenböen über die Förde: ein – fast möchte man sagen typisches – Mai-Wochenende in Kiel. Man kann den Seeleuten nachempfinden, dass es sie bei solchem Wetter in die Ferne zog, und man ist dem Opernhaus dankbar, dass es einlädt zu einem Ausflug ins sonnige Arabien. Mit einer Trouvaille obendrein.
Der...
