Höllenfahrt mit himmlischen Tönen
Quelvecchio maledivami – der Fluch des Monterone trifft Rigoletto schon während des kurzen Vorspiels, wenn er aus dem Kasten des Souffleurs klettert und einen grünen Overall über seinen Straßenanzug zieht. Er schminkt sich und setzt sich das Signum seiner Arbeit auf: die Narrenkappe. Seine Wirkungsstätte – «eine prachtvolle Halle im Palazzo des Duca di Mantua» (Szenenanweisung) – ist ein bedrohlicher Raum mit schwarzen Wänden: eine Hölle der Gehörnten.
Sie alle sind die Opfer der erotischen Gier und Unersättlichkeit, die der Herzog in seiner Ballata besingt, und alle sind sie dadurch auch zu Teufeln geworden.
Dies der Auftakt von Nikolaus Lehnhoffs glanzvoll besetzter Dresdner Inszenierung von Verdis «Rigoletto» unter der packenden musikalischen Leitung von Fabio Luisi. Der Hof des Duca di Mantua erscheint als eine kalt-bedrohliche Lusthölle, in der laszive Frauen sich barbrüstig exhibitionieren und makabre Tierwesen umhergeistern wie die Maskenfiguren in Stanley Kubricks «Eyes Wide Shut». Aus dieser Welt der Obsessionen und der bizarren Rituale kehrt Rigoletto zurück in ein anderes Gefängnis: eine leere Kammer, in dem er seine Tochter vor der Welt verborgen hält. Hier wird ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nein, eine Erfolgsgeschichte konnte man das groß angelegte «Ring»-Projekt der Berliner Philharmoniker bislang wirklich nicht nennen: Vier Jahrzehnte, nachdem Herbert von Karajan die Salzburger Osterfestspiele für seine bahnbrechende Tetralogie-Interpretation gegründet hatte, erarbeitet sich das Orchester Richard Wagners Bühnenendspiel erneut. Seit 2006 gibt es in...
Wagner, der alte Verführer und Menschenfänger. Ungebrochen entfaltet er seine Wirkung. Mit dem Rausch seiner megalomanen Dramen. Mit der Droge seiner unendlichen Melodien. Mit dem schaurig-schönen Appeal seiner volltönenden Apokalypsen. Das Gespenst seines Genies geht um, wo immer Oper und Musiktheater gemacht wird. Und das seit mehr als hundert Jahren. Bayreuth...
Dem neuen «Don Carlo» der Royal Opera in London kann man sich auf zwei verschiedenen Wegen nähern. Der eine geht ungefähr so: Rolando Villazón, Tenorissimo der Stunde, krönt nach mehrmonatiger Indisposition bei seinem ersten Bühnenauftritt ein Spitzenensemble in einer prachtvollen Produktion von Verdis Spanien-Drama, deren Mastermind «die einflussreichste...
