Am Limit
Dem neuen «Don Carlo» der Royal Opera in London kann man sich auf zwei verschiedenen Wegen nähern. Der eine geht ungefähr so: Rolando Villazón, Tenorissimo der Stunde, krönt nach mehrmonatiger Indisposition bei seinem ersten Bühnenauftritt ein Spitzenensemble in einer prachtvollen Produktion von Verdis Spanien-Drama, deren Mastermind «die einflussreichste Persönlichkeit der britischen Theaterlandschaft» ist: Nicholas Hytner, Intendant des National Theatre.
Auf dem anderen Weg indes gewinnt man den Eindruck, Villazón werfe sich mit sehr viel mehr Herzblut in die Titelrolle, als seiner eher schlanken Stimme guttut, Antonio Pappanos Dirigat ächze unter dem Gewicht selbstauferlegter Bedeutungsschwere, und Hytners Inszenierung, obgleich genau auf Text und Figuren fokussiert, hinke einer avancierten Opernregie um etwa drei Jahrzehnte hinterher.
Am Ende sprach (fast) alles für die zweite Lesart. Mit diesem «Don Carlo» hat sich Covent Garden eine weitere Schaufensterproduktion geleistet, leicht konsumierbar, doch ohne Biss und Haltung. Das Beste waren noch jene vereinzelten Momente, in denen die Hauptakteure die ihnen auferlegten Beschränkungen abschüttelten und zeigten, was ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eigentlich wollen wir sie nicht mehr sehen, diese Herren in ihren mausgrauen Anzügen, mit Schlips und Köfferchen. Und dieses Lounge-Mobiliar mit Ledersofa, Rolltreppen, Hotel-Lobby- und Airport-Lifts. Dennoch: Christian Schmidts «Rinaldo»-Ambiente in Zürich geht letztlich doch auf. Zumal, wenn sich herausstellt, dass Ramses Sigls Schlips-und-Kragen-Ballett der...
Wozzecks Welt ist eine Scheibe. Fällt er von ihrem Rand, was ihm im Verlauf des Abends ein paar Mal passiert, fällt er ins abgründige Universum seiner wirren Fantasie. Martin Winkler spielt und singt das mit wilder, weher Leidenschaft und großer, fülliger Stimme; ein grob gewobener, doch gutmütiger Kerl, dem die Mitwelt so übel zusetzt, dass er sich zuletzt an dem...
Bevor wir «Idomeneo» in der Helmut-List-Halle hinter dem Grazer Hauptbahnhof besuchen, schauen wir im Kunsthaus Graz vorbei, der extraterrestrischen blauen Spenderniere am rechten Murufer. In der Ausstellung «Work and Play» zeigt dort der Foto- und Videokünstler Hans van der Meer bis Ende August Amateur-Fußballer Europas beim Spiel. Eine der Video-Szenen...
