Hitchcock lässt grüßen
Wer neunzigmal als früherer Konzertmeister des Mahler Chamber Orchestra den «Don Giovanni» unter Claudio Abbado und Daniel Harding gespielt hat, der weiß, wie es geht. Und vermag nun seine durchaus eigene Sichtweise selbst dem eher Mozart-ungeübten Orchester des Venezianischen Teatro La Fenice zu vermitteln. Mit ruhiger, entschiedener Schlagtechnik ist Antonello Manacorda, ab Herbst 2010 Chef der Kammerakademie Potsdam, die Mitte dieser bemerkenswerten Mozart-Premiere.
Alle Bewegung geht vom Mann am Pult aus, er steuert, inspiriert, lässt trotzdem Freiheiten und führt sein ausgeglichenes Ensemble wie auch das folgsame, dabei prägnant klingende Orchester dahin, wo er sie haben will. So verwirklicht sich das Harnoncourt-Prinzip der Klangrede wie das eines flüssigen, italienisch warm leuchtenden Tonflusses. Manacorda gibt rasche Tempi vor, die Elvira der dauerhysterischen Carmela Remigio überschlägt sich fast in ihrer «Mi tradi»-Arie. Aber eben nur fast – so wird sie zur fesselnd risokobewussten Studie einer Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs.
Allen Figuren sind ständig in Bewegung. Das unaufhörliche Fortschreiten der Zeit nach dem Mord am Komtur (solide: Attila Jun), den Don ...
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