Herunter vom Podest
Frau Schäfer, szenische Annäherungen an Schuberts «Winterreise» haben derzeit Hochkonjunktur. Sie haben die vierundzwanzig «schaurigen Lieder» in einem Duisburger Industriebau gesungen. Worin besteht für Sie der dramatische Impetus dieses Zyklus?
Ich finde, dass die «Winterreise» gar nicht so schaurig und tragisch ist, wie immer behauptet wird. Natürlich ist der Abschied des Erzählers aus seiner vertrauten Lebenswelt schmerzlich, aber er geht aus freien Stücken. Es sind nicht die anderen, die ihn fortschicken, er entscheidet, alles hinter sich zu lassen.
Hier spricht ein Mensch, der nicht in die Gesellschaft passt, in die er hineingeboren wurde, und der irgendwann auch nicht mehr dazugehören will. Er ist eher ein Verlassender als ein Verlassener, eine autarke Persönlichkeit. Das ist für mich ein entscheidender Aspekt, der meist unter den Tisch fällt.
Können Sie den künstlerischen Mehrwert beschreiben, den Sie mit einer Darbietung unter Videobildern, auf der «Bühne» eines Boxrings verbinden?
Indem zum Beispiel auf den Videoleinwänden Menschen von heute zu sehen waren, entstand sozusagen eine Beziehung zwischen den beinahe zweihundert Jahre alten Texten Wilhelm Müllers und unserer ...
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Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Thema: Szenische Liederabende, Seite 34
von Albrecht Thiemann
«Festa teatrale» – die passende Gattung zu den Hochzeitsfeierlichkeiten des Erzherzogs Ferdinand von Österreich mit der Prinzessin Maria Beatrice Ricciarda von Modena, er siebzehn, sie einundzwanzig. Die Komposition stammte von einem ihrer Altersgenossen: Wolfgang Amadeus Mozart hatte fünfzehnjährig den Auftrag von der Kaiserin persönlich bekommen. Das Libretto,...
Herr Jöris, Ihre Inszenierung der «Winterreise» arbeitet mit zwei Stimmen (Bariton/Mezzo) und zwei Darstellern. Wie kam es zu dieser Dramaturgie und welche Ziele verfolgten Sie damit?
Es war mir freigestellt, welche Stimmfächer und wie viele Sänger bzw. Statisten ich einsetzen wollte. Je mehr ich mich mit dem Stück beschäftigte, desto mehr entwickelte sich die...
Es wäre ja so leicht, den Allegro-Molto-Teil der «Don Giovanni»-Ouvertüre vorzubereiten, meinte Peter Gülke auf dem jüngsten Symposion im Berliner Institut für Musikforschung. Ein dezenter Auftakt am Ende des einleitenden Andante, schlagtechnisch kein Problem. Genau das machte Furtwängler aber nicht. Er riskierte mit dem Allegro einen Neuanfang, beließ damit dem...
