Herrlicher Budenzauber
Diese Produktion ist ein bedeutender Beitrag zum Offenbach-Jahr. Weil sie hilft, die gedankliche Brücke zu schlagen von den grell-geistreichen Sozialsatiren zu «Hoffmanns Erzählungen». Unmittelbar vor «Fantasio» entstanden, im Sommer 1869, für ein Gastspiel der «Bouffes-Parisiens» in Baden-Baden, zeigt auch «Die Prinzessin von Trapezunt», wie sich die romantisch-melancholische Seite des Komponisten immer mehr Bahn bricht.
Die Handlung ist zwar noch als Groteske angelegt – eine Schaustellerfamilie gewinnt per Lotterie ein Schloss, langweilt sich dann aber schnell im adligen Ambiente. Doch im Kern geht es um die Sehnsucht der Protagonisten nach Liebe.
Märchenhafte Züge hat dabei vor allem Prinz Raphael, ein schwärmerischer Jüngling, der sich in eine Wachsfigur verliebt, eben die titelgebende Prinzessin, die jedoch just bei seinem Besuch im Raritätenkabinett von einer echten Frau dargestellt wird – weil die Schausteller-Tochter ihr zuvor beim Saubermachen versehentlich die Nase abgeschlagen hat. Drei Paare werden sich am Ende gefunden haben, und ihnen gehört auch die ganze Zuneigung Offenbachs: Ihre sehnsuchtsvoll-sentimentalen Musiknummern sind mit Abstand die inspiriertesten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Frederik Hanssen
Herr Lazar, Sie sollen sich bereits im Alter von elf Jahren mit der Gestik und Deklamation im Barocktheater beschäftigt haben. Was um Himmels willen bringt ein Kind dazu, sich für so etwas zu interessieren?
Die Begegnung mit einer Französischlehrerin namens Isabelle Grellet, die ebenso begeistert vom Theater war, wie sie ihre Schüler dafür begeistern konnte. Ich...
Dieser Klang kommt nicht aus der Stille. Er flutscht und knallt aus den Kehlköpfen heraus, mit einer Kraft, die einen beinahe umhaut: «Tschu-Tschu-Tschu!» Und noch einmal: «Tschu-Tschu-Tschu!» Auf den kollektiven Schrei folgt ein Tanz, der das Zeug zur rituellen Orgie hat. Furios ist dieser Tanz, feurig, fetzig, völlig enthemmt; ein Vulkan aus Expressivität und...
Seit fünf Jahren hatte er nicht mehr vor einem Orchester gestanden, sich in sein Haus am Mondsee im Salzkammergut zurückgezogen. Als er spürte, dass Körper und Geist nicht länger den rigorosen Ansprüchen genügten, die er an sich und andere stellte, trat er aus dem Rampenlicht, das er eigentlich nie gesucht, eher als unvermeidliche Begleiterscheinung des Berufs...
