Heimgeholt
Sein oder nicht sein? Das ist an GöteborgsOperan nicht die Frage. Stephen Langridge, seit zwei Jahren künstlerischer Kopf des Musiktheaters, lässt für die schwedische Erstaufführung von Ambroise Thomas’ «Hamlet» verschiedene Varianten des Endes spielen. Als Thomas seine Antwort auf Gounods «Roméo et Juliette» 1868 an der Pariser Opéra herausbrachte, ging der Dänenprinz, vom Geist des Vaters in gleißendem E-Dur gespornt, als neuer König von der Bühne.
Ein Jahr später, für eine Aufführung an Covent Garden, folgte er, wie es sich im Mutterland Shakespeares gehört, Ophelia in den Tod. In Göteborg konnte man nun das Pariser und das Londoner Finale besichtigen, im abendlichen Wechsel. Damit der Chor und die Solisten während der elf April- und Mai-Vorstellungen nicht durcheinanderbrachten, was gerade dran war, klebten überall Spickzettel in den von Samal Blak gebauten (Film-)Kulissen.
Auch die Pantomime, mit der drei Schauspieler das Mordkomplott Gertrudes und Claudius’ nachstellen, gibt’s gleich zweimal: Schon zur Ouvertüre fällt das Paar im Schlafgemach mit der Giftspritze über den alten Herrscher her. Im zweiten Akt – Hamlet hat Mutter und Onkel samt Gala-Entourage zum Theater ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Albrecht Thiemann
Auf den Trank wurde schon andernorts verzichtet. Tristan und Isolde, das ist ja längst Regie-Common-Sense, brauchen für den Rausch keine Droge. Hier drängt es sie nach vorn an die Rampe, während hinten vertikal rasende Projektionen freien Fall suggerieren. Viel mehr geht nicht in diesem Raum, in dem sich auch Dressuren und Clowns denken lassen und der in einer der...
Blutüberströmt liegt die Leiche des jungen John im Bett. Als sich die wütende Meute aus dem Dorf dem Haus des Fischers Peter Grimes nähert, hat der sein nächstes Opfer längst geschlachtet. Grimes scheint verwirrt, spricht noch mit dem Gehilfen. Montagu Slaters Libretto erzählt die Geschichte etwas anders, da lebt der Junge noch. Doch in Tilman Knabes Dortmunder...
Mit ehrgeizigen Zielen hat Riccardo Chailly 2015 sein neues Amt als Musikdirektor an der Mailänder Scala angetreten: Er will der italienischen Oper im Allgemeinen und Giacomo Puccini im Besonderen wieder mehr Geltung verschaffen – sicherlich ein kluger Schachzug, um die Scala stärker gegenüber den anderen großen europäischen Opernhäusern zu profilieren und...
