Händel: Poro

Göttingen

Opernwelt - Logo

Man liebt sich, man fetzt sich. Statt der üblichen Abgangsarie hören wir ein ­Duett. Poro und Cleofide fauchen sich an wie Katzen und werfen sich die reizenden Melodien an den Kopf, mit denen sie sich eben noch ihre Treue versichert haben. Kurz darauf, nach der Pause, sind beide wieder in zärtlichstem fis-moll vereint, largo und pianissimo. Und das ist auch nötig, denn das Schicksal dräut in Gestalt von Alexander dem Gro­ßen, der gerade dabei ist, Indien zu erobern, das Reich von Poro und Cleofide.

In seiner einundzwanzigsten Londoner Oper mixt Händel Weltgeschichte und private Affekte besonders bunt. Das führt dazu, dass von Metastasios Libretto nicht allzu viel übrig bleibt und jede Figur ihre eigene musikalische Sprache spricht. Erissena zum Beispiel, Poros Schwester, beginnt wie eine barocke Carmen und besingt die flatternde Liebe in neapolitanischer Buffo-Manier (selbstironisch: Franziska Gottwald). Später wächst sie zur großen Staunenden und schließlich sogar zur Liebenden, geadelt durch den bukolischen Flor von Händels Musik.
Es gehört zu den musikalischen Vorzügen der jüngsten Göttinger Festspielpremiere, dass sie solche Wandlungen, so blitzartig sie auch oft erfolgen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 53
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mozart: Don Giovanni

Der Zuschauerraum des Innsbrucker Landestheaters spielt in diesem «Don Giovanni» immer mit, nicht nur wenn in der hier favorisierten Wiener Fassung Zerlina den Schwindler Leporello frech herausfordert und hinter dem Dirigenten an einen Stuhl fesselt. Von Anbeginn ist klar: Hier wird Theater gespielt. So schlei­chen sich die Figuren noch vor ihrem eigentlichen...

Schlitzohr Haydn

Das Epos als Wundertüte. Egal, wo man sich in die sechsundvierzig Gesänge von Ariosts «Rasendem Roland» hineinliest, es geht meist tollkühn zur Sache. Grundthema ist der Konflikt zwischen Christen und Heiden. Daraus hat Ariost ein Abenteuer-, Unterhaltungs-, Ritter-, Schelmen-, Comedy- und Fantasybuch komponiert, dessen Platz im Tempel der Weltliteratur bis heute...

In Zukunft wird alles anders

Die Alarmzeichen stehen auf Rot. New York steckt in einer ernsten Opernkrise, und das nicht erst seit gestern. Die Metropolitan Opera, mit 3995 Plätzen eines der größten Häuser der Welt, setzt zu wenige Karten ab, viel zu wenige. Bis vor etwa fünf Jahren konnte man davon ausgehen, dass das Haus jeden Abend ausverkauft war, dafür sorgten allein schon der Mythos Met,...