Große Liebe, gute Musik
Das Klima macht krank, die Kriminalitätsrate ist hoch, drinnen duftet es diskret nach Schimmel, draußen fällt tropenschnell wie ein nasses Tuch die Dunkelheit, Riesenfledermäuse fliegen ums Haus. Und wenn Wolfgang Ebert, erster Solohornist der Amazonas Filarmônica, am Sonntag seine Freundin mit Familie ausführen will, ist der attraktivste Ort, den er sich in der Zweimillionenstadt Manaus dafür denken kann, das neue «Millenium»-Einkaufszentrum, weil dort immerhin die Kinder unbeaufsichtigt herumlaufen dürfen.
Ebert kommt aus Plauen.
Er studierte in Leipzig, wurde vor drei Jahren eingeladen, beim Amazonas Opera Festival mitzuspielen – und blieb. Er ist glücklich geworden in Manaus und nennt dafür zwei Gründe, die denkbar besten: große Liebe, gute Musik. Hier im Orchester spielt er in erster Soloposition, auf Vergleichbares hätte er in Deutschland lange warten müssen. Kürzlich ist der junge Mann sogar zum Professor avanciert, er unterrichtet jetzt am neuen «Liceu de Artes e Ofícios Claudio Santoro», leitet eines der vier Jugendorchester dort, die nach venezolanischem Vorbild die Kinder von der Straße holen. Eine musikalische Entwicklungshilfe, die sich der Pionierarbeit des ...
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Seien wir ehrlich: Dies Werk zu (be-) greifen, ist schlichtweg ein Akt des Unmöglichen. Zu mäandernd fließt der Strom der Gedanken, zu üppig gestaltet sich die Ausschweifung des Geistes, und vor allem: Zu (entstehungs)zeitimmanent ist vieles, um es heute noch ins rechte Licht der Erkenntnis rücken zu können. Selbst ausgewiesene Kenner der Materie raten deshalb zu...
«Überkandidelt», sagte jemand nach der Premiere von Strauss’ «Capriccio» an der Wiener Staatsoper. Das Wort mag etwas mit dem Kandieren zu tun haben, einer Konservierungsmethode für Obst, die den Zuckergehalt erhöht und den Wassergehalt reduziert. Die Assoziation hätte etwas für sich, denn der Gehalt von Strauss’ Partitur an reifer, gelegentlich überbordender Süße...
Ein tönender Überfall. Kopfüber stürzt sich das Orchestre philharmonique de Strasbourg in diesen «Fidelio». Das Fanfarenmotiv am Beginn der Ouvertüre: wie ein Startschuss, schnell, fast schon hastig, alles beiseite drückend, keinen Einwand duldend, basta. Der Straßburger Beethoven-Tonfall ist eher harsch, wie abgerissen, schmucklos drängend, ja, dringlich, Verve...
