Engels Gesang

Amsterdam modern: Louis Andriessens «La commedia» und Messiaens «Saint François d’Assise»

Opernwelt - Logo

Seien wir ehrlich: Dies Werk zu (be-) greifen, ist schlichtweg ein Akt des Unmöglichen. Zu mäandernd fließt der Strom der Gedanken, zu üppig gestaltet sich die Ausschweifung des Geistes, und vor allem: Zu (entstehungs)zeitim­ma­nent ist vieles, um es heute noch ins rechte Licht der Erkenntnis rücken zu können. Selbst ausgewiesene Kenner der Materie raten deshalb zu sinnlich-beglückter Anschauung, die das Einzelne nicht immer bis in seine feinsten Ver­ästelungen zu verfolgen anstrebt. Das Werk, samt seiner Schönheit und Ideenmächtigkeit, bleibt davon unangetastet.

Dantes «La divina commedia», mit einer Entstehungsdauer von rund dreißig Jahren selbst Wagners «Ring» um einiges überschreitend, steht vor uns als eine große (humanistische) Vision – in Gestalt einer Wanderung durch die drei Jenseitsreiche, welche mit der erheblichen Verwirrung des Protagonisten beginnt und im Paradies mit einem der schönsten Verse dieser Epopoe überhaupt endet («Doch folgte schon mein Wunsch und Wille gerne (...), der Liebe, die bewegt die Sonn’ und Sterne»).
An diesem Punkt, da, wo Dante auf Anschaulichkeit verzichtet, wo er sich auf die Mittel der Farbe, des Lichts, der Rede und des Klanges beschränkt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sommertheater am Mississippi

Seit nunmehr dreiunddreißig Spielzeiten bietet das Opera Theatre of Saint Louis ein ausgesuchtes Programm, das vom heimischen Publikum, von Besuchern aus ganz Amerika sowie von der internationalen Presse gleichermaßen geschätzt wird. Wenn die führenden US-Häuser (die Met in New York, die Lyric Opera in Chicago, die San Francisco Opera) schon Theaterferien machen...

Verschmelzungsfantasien

Kristina Wuss, Berghaus- und Konwitschny-Schülerin, hat Oscar Wildes einstiges Skandaldrama gegen den Strich gelesen. Sie entziffert in Strauss’ Vertonung der Begegnung der morbiden Kindfrau mit dem asketischen Propheten zu Recht eine psychologische Introspektion. Bei ihr ist Salome keine wahnsinnige Mänade, sondern ein junges Mädchen, das in einer aus den Fugen...

Das Schwert im Sofa

Das hatten wir uns so schön vorgestellt. Der Lederrocker Wotan hat schulterlange Rastalocken und Erda auch. Wie, so malten wir uns aus, muss da ihrer beider Tochter Brünnhilde erst ausschauen? Das Gedankenspiel kam uns am Ende von Wagners «Rheingold». Das war in der vorigen Saison zwar als «Ein Vorabend» untertitelt, nicht jedoch zu den unglückseligen Weiterungen...