Verschmelzungsfantasien
Kristina Wuss, Berghaus- und Konwitschny-Schülerin, hat Oscar Wildes einstiges Skandaldrama gegen den Strich gelesen. Sie entziffert in Strauss’ Vertonung der Begegnung der morbiden Kindfrau mit dem asketischen Propheten zu Recht eine psychologische Introspektion. Bei ihr ist Salome keine wahnsinnige Mänade, sondern ein junges Mädchen, das in einer aus den Fugen geratenen Welt seinen Platz nicht findet. Oben feiern die Reichen, zu denen sie gehört, ein rauschendes Fest; unten müssen die Bewohner des besetzten Landes einen der Ihren bewachen, mit dem sie sympathisieren.
Die subtil geführte, sich aber nie in den Vordergrund drängende Statisterie bringt den Gegensatz zwischen der unterdrückten einheimischen Bevölkerung und der Kolonialmacht atmosphärisch überzeugend ins Spiel, ohne politisch plakativ zu werden.
Marcel Zabas zweigeteilte Bühne fasst diese Sicht räumlich wirkungsvoll zusammen: oben ein Laufsteg, der in den Palastvorraum führt; unten eine Vulkanlandschaft, die den Blick in die Stube der Einheimischen freigibt. Zwischen beiden Ebenen vermittelt am rechten Bühnenrand eine großes Wasserbassin. Am Horizont die Wüste mit dem das Stück begleitenden Mond. Wuss beherzigt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Seit nunmehr dreiunddreißig Spielzeiten bietet das Opera Theatre of Saint Louis ein ausgesuchtes Programm, das vom heimischen Publikum, von Besuchern aus ganz Amerika sowie von der internationalen Presse gleichermaßen geschätzt wird. Wenn die führenden US-Häuser (die Met in New York, die Lyric Opera in Chicago, die San Francisco Opera) schon Theaterferien machen...
Vor etwas mehr als drei Jahrzehnten brachte David Cronenberg den Film «The Fly» heraus. Darin entwickelt der ehrgeizige Biochemiker Dr. Brundle die Technik der «Teleportation». Vermittels dieser werden komplexe Substanzen, später auch Lebewesen atomisiert, die Elementarteilchen per Funk verschickt und am Zielort wieder zusammengesetzt. Brundle, der näher mit einer...
München leuchtete, wie Thomas Mann mit süffisanter Euphorie notierte, oder zumindest: die Münchner Opernwelt, die seit jeher den Glanz liebt und den historischen Reichtum bewirtschaftet. Zwei stattliche Premieren der Bayerischen Staatsoper setzten im Zehn-Tage-Abstand charakteristische Akzente. Wobei insbesondere die Eröffnung der Münchner Opernfestspiele – der...
