Große Bühne für José Carreras in Tirol

Opernwelt - Logo

Mit der Uraufführung «El Juez» in Erl kehrte José Carreras nach längerer Abstinenz auf die große Bühne zurück. In  Christian Kolonovits Oper geht es um einen alten Richter, der sich mit den während der Franco-Diktatur verschleppten Kindern «systemfeindlicher» Eltern befasst. Die Recherchen führen zu einer sehr persönlichen Aufarbeitung, denn der Richter selbst ist verstrickt. Librettistin Angelika Messner verbindet klug Historie und private Schicksale, Regisseur Emilio Sagi inszeniert routiniert.

Carreras teilt sich klug seine Energien ein, um bei sparsam dosierten ariosen Ausbrüchen zu glänzen. Dabei kommt ihm zupass, dass seine Partie viel Mittellage und eher tiefere Töne verlangt, gefordert ist gleichsam eine Mischung aus Tenor und Bariton. Das körperliche Spiel bleibt eher zurückhaltend, Carreras gestaltet lieber innere Dramen und arbeitet mit nuancierter Mimik.

Am Pult des Tiroler Festspielorchesters stand David Giménez, der alle Feinheiten der Partitur schön herausarbeitete. Kolonovits ist bisher vor allem als Arrangeur, Produzent sowie Komponist von Schlagern und Pop-Musik hervorgetreten. Umso erstaunlicher, was ihm mit «El Juez» gelungen ist. Keine neutönende Oper, aber ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2014
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Jörn Florian Fuchs

Weitere Beiträge
Glanz und Staffage

Genau hundert Jahre mussten nach dem Tod von Hector Berlioz vergehen, ehe sein musikdramatisches Hauptwerk «Les Troyens» im Jahr 1969 endlich ungekürzt zur Aufführung kam. Seitdem wurde das ­gewaltige, nur noch durch Wagners «Ring» übertroffene Epos an allen großen Opernhäusern der Welt gespielt, zuletzt in der Inszenierung von David McVicar und unter der...

Was kommt...

Manon in Muscat
Wer hätte das gedacht: Eine zehn Jahre alte «Manon Lescaut» der Deutschen Oper Berlin reist für zwei Abende in den Oman. Mehr als 200 Mitarbeiter werden sich vor Ort um die Wiederbelebung kümmern. Ein klassikbegeisterter Sultan und eine deutsche Intendantin machen’s möglich.

Giacomo Meyerbeer
Steht das Werk des lange Verschmähten vor einer...

Vor und zurück, immer anders

Krishna kriegt den meisten Applaus. Er singt Bass und hat als solcher nicht viel zu tun. Aber aussehen tut er fantastisch: ein schöner, goldener Gott mit vier Armen, Flöte und Fingern, die Symbole in die Luft malen. Gandhi singt Tenor, eine hohe, helle Stimme. Auch er kriegt viel Applaus. Mild und leise, wie er lächelt, kann es sich nur um einen Visionär handeln....