Grabensprünge
Der eine ist gewissermaßen der legitime Genius Loci. Ein bisschen eingeklemmt zwischen Wank, Kramer und Wettersteingebirge, ein Talkessel mit hohen Tellerrändern, wo sich’s für Richard Strauss, dem immer mehr die Realität Negierenden, naturgemäß gut existieren ließ. Auch der andere Ort versteht sich, wie Garmisch-Partenkirchen mit seinem Komponisten-Festival, als Hort der Strauss-Pflege und hat den Bayern immerhin eines voraus: eine mehr als akzeptable Spielstätte. Seit Jahrzehnten gehört in Glyndebourne die «Ariadne auf Naxos» zum Inventar.
Und die aktuelle, festgehalten auf DVD, unternimmt erfolgreich einen der unzähligen Kittversuche: Wie Vorspiel und «Oper» zusammenbringen? Wie Kontinuität erzeugen, wo ein dramaturgisch kaum zu überbrückender Graben klafft?
Regisseurin Katharina Thoma (siehe OW 7/2013) lässt dazu Bomben abwerfen: Am Ende des ersten Teils, hier auf John Christies Landsitz anno 1940 spielend, greifen deutsche Flugzeuge an. Ein paar Monate später, das Haus ist nun Lazarett, tastet sich die des Daseins müde Primadonna suizidgefährdet ins Leben und in die Liebe zurück. Auch Zerbinetta, von Laura Claycomb etwas herb gesungen, hat der Krieg ver-rückt, während des ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Markus Thiel
Sir Neville, Sie waren einer der wichtigsten Dirigenten der Sechziger- bis Achtzigerjahre – bis die Spezialisten der Alten Musik kamen und Ihnen das Repertoire entrissen. Haben Sie mit denen eine Rechnung offen?
Nein, ich war eher erfreut. Der Siegeszug der historischen Aufführungspraxis hatte zur Folge, dass wir uns fortbewegen konnten und nicht immer dasselbe...
Nur mal kurz in die Debatte geworfen, schon lösen gewisse Namen etwas aus. Blut, Schweiß, Sperma, Gewalt – das sind die Stichwörter des Pawlow’schen Denkreflexes, wenn der Name Calixto Bieito fällt. Ein solcher Name nützt auch in einem praktischen Sinn: Er gewährt (dauerhaften) Zutritt zum internationalen Regiezirkus. Jetzt mischt Bieito auch am Staatstheater...
Genau hundert Jahre mussten nach dem Tod von Hector Berlioz vergehen, ehe sein musikdramatisches Hauptwerk «Les Troyens» im Jahr 1969 endlich ungekürzt zur Aufführung kam. Seitdem wurde das gewaltige, nur noch durch Wagners «Ring» übertroffene Epos an allen großen Opernhäusern der Welt gespielt, zuletzt in der Inszenierung von David McVicar und unter der...
