Goldene Mitte
Frau Te Kanawa, Sie waren eine der begehrtesten Sängerinnen der Achtziger- und Neunzigerjahre. Sie hätten allen Grund, in Ihre eigene Stimme «verliebt» zu sein. Sind Sie es?
Ach, dafür war es zu viel Arbeit. Ich musste mich immer zu sehr um meine Technik kümmern. Das war entscheidend für alles andere. Ich denke schon, dass man ein positives, emotionales Verhältnis zur eigenen Stimme braucht. Aber Liebe? Das muss ich dem Publikum überlassen.
Ihre Mutter war Irin, Ihr Vater Maori.
Welchen Effekt hatte diese Mischung auf Ihr Temperament?
Mein Vater war sehr sanft und liebenswürdig. Immer sehr gut gekleidet. Ein Gentleman. Bei meiner Mutter dagegen sprühten die Funken. Er war ruhig, sie nicht so. Zwischen diesen Gegensätzen habe ich eigentlich die Mitte eingenommen. Auch später als Sängerin. Ich war kein Vulkan. Aber auch keine Schlaftablette.
Außerdem waren Sie die erste bedeutende Sängerin Neuseelands – nachdem aus Australien bereits Nellie Melba und Joan Sutherland gekommen waren.
Ganz früher gab es schon eine unglaublich gute Sängerin, deren Name mir aber, ich muss es zugeben, nicht mehr einfällt. Sie kam bis zum hohen E. Dafür habe ich sie bewundert und beneidet. Ein ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Interview, Seite 40
von Kai Luehrs-Kaiser
«Diversity of opinion about a work of art shows that the work is new, complex and vital», schrieb Oscar Wilde im Vorwort zu «The Picture of Dorian Gray». Anhänger der neuen Live-Einspielung von Wagners «Ring des Nibelungen» unter Christian Thielemann mögen diesen Aphorismus ins Treffen führen. Zumindest divergieren die Reaktionen auffallend. Dass jedoch solch...
Wagner im Amphitheater? In den Siebziger- und Achtzigerjahren war das ein fester Pfeiler des «Chorégies»-Festivals. Karl Böhm hat unter dem provenzalischen Sternenhimmel den «Tristan» dirigiert, Birgit Nilsson Isolde und Brünnhilde gesungen, Sawallisch einen «Parsifal» mit René Kollo gestemmt. Doch nach einem «Ring» mit Marek Janowski 1988 setzte man in Orange...
Welch ein Finale! Ein berückendes Streicherflirren, ein opalisierendes Flimmern, ein Farbenfunkeln im verschwebenden Pianissimo, unterwegs ins Wesenlose. Lautenklang mischt sich drein, Schalmeienton, Oboenkringel, vor allem aber die altertümlich, ja, fast exotisch wirkende Viola pomposa. Und: Frauenstimmen von fern. Ein immerzu changierendes Band der Tonpoesie....
