Gleißende Düsternis
Da sitzt er nun am Lido in Venedig, so steif wie sein Anzug, und quält sich mit Selbstzweifeln, während die anderen dem bunten Strandtreiben nachgehen. Dichterfürst Gustav von Aschenbach ist vor einer Schaffenskrise nach Italien geflohen, aber seine Lebenslüge holt ihn unbarmherzig ein, und seine unterdrückten Triebe geraten in einen letztlich tödlichen Konflikt mit den Zwängen bürgerlicher Moral.
Benjamin Brittens letzte Oper hat, wie die literarische Vorlage von Thomas Mann, viele Facetten: die Beschreibung der in Morbidezza verdämmernden Stadt Venedig, die Auseinandersetzung mit der eigenen und dennoch fremden Homosexualität, der philosophische Konflikt zwischen geistiger und körperlicher Makellosigkeit.
Die Inszenierung von Deborah Warner konzentriert sich dabei ganz auf die Hauptfigur. Ian Bostridge singt und spielt den Aschenbach mit einer Intensität, die Schaudern macht. Er räsonniert, zweifelt, taumelt, hadert, ekelt sich, ergibt sich in glücklicheren Momenten einer schwerelosen Melancholie – um dann am Ende förmlich einzugehen an der Unfähigkeit, die selbst gewählte Rolle als dichterischer Beobachter und Analytiker zu verlassen und seine Gefühle zu leben.
Bei Bostridge ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wann immer man sich einer Ritter-Roland-Oper nähert, ist eines gewiss: Die Handlung wird turbulent, es geht chaotisch zu im Zauberreich der Alcina. Es wird wild geliebt, gehasst und gestritten. Was für den vielfach erfolgreich wiederbelebten «Orlando furioso» von Antonio Vivaldi gilt, funktioniert jetzt auch im Stadttheater Gießen mit Haydns «Orlando paladino»....
Eines der markanten Merkmale des Mannheimer Nationaltheaters sind die Logenbalkons aus rohem Sichtbeton, die im Laufe der Jahre schmuddelig und dunkel geworden sind. Ob sich Regisseurin Monique Wagemakers und Bühnenbildner Thomas Rupert für ihre Deutung der «Ariadne auf Naxos» von dieser Architektur haben inspirieren lassen, sei dahingestellt. Wenn der Vorhang...
Um Hermann Becht war Freundlichkeit, Fairness und ein untrüglicher Sinn für Gerechtigkeit. Auf langen, entnervenden Proben konnte er, ohne ein Wort, seine Kolleginnen und Kollegen zum Durchhalten ermuntern. Aber wenn eine Probe sinnlos war, eine Disposition unprofessionell, ein Regisseur auf unangenehme Weise egoman, dann machte er den Mund auf und sagte, was Sache...
