Alberich als Jedermann
Um Hermann Becht war Freundlichkeit, Fairness und ein untrüglicher Sinn für Gerechtigkeit. Auf langen, entnervenden Proben konnte er, ohne ein Wort, seine Kolleginnen und Kollegen zum Durchhalten ermuntern. Aber wenn eine Probe sinnlos war, eine Disposition unprofessionell, ein Regisseur auf unangenehme Weise egoman, dann machte er den Mund auf und sagte, was Sache war. Kurz: Im von Eitelkeiten und Unsicherheiten durchtränkten Opernbetrieb war er ein Fels der ganz uneitlen Sicherheit.
Ausgebildet unter anderem bei Josef Greindl begann er als Bassist in Braunschweig, kam 1970 nach Wiesbaden und 1974 an die Deutsche Oper am Rhein, «sein» Haus, dem er bis zuletzt treu blieb – 35 Jahre lang. Weltberühmt wurde er bei einer der klassischen Du-hast-keine-Chance-also-nutze-sie-Situationen. Als Patrice Chéreau in Bayreuth 1976 seinen «Ring» herausbrachte, hieß der Alberich Zoltan Kelemen. Der Ungar war damals ein berühmter Mann und als Alberich Aristokrat und Prolet in einem. Als er unerwartet starb, hatte Chéreau die richtige Nase und gab die Chance an den relativ unbekannten Hermann Becht. Becht wirkte viel nahbarer, verletzlicher, aber berstend vor Kraft. Sein Alberich war kein Buffo und ...
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