Gemäßigte Windstärken
Viele regieführende Frauen haben der Operninterpretation namentlich in Deutschland seit einem Vierteljahrhundert beträchtlichen Auftrieb verliehen, zuweilen mit durchaus spezifischen Perspektiven eines nicht allzu eng zu definierenden «weiblichen» Blicks. Diesen reklamiert auch Aurelia Eggers für sich und ihre Saarbrücker Inszenierung des «Fliegenden Holländer». Doch in der Ausführung erweist sich die Konzeption als zu wenig rund, zu unentschlossen zwischen psychologisierendem Naturalismus auf der einen, Oratorium und Mysterienspiel auf der anderen Seite.
Ins Abstrahierend-Überhöhte lenken die meist statuarischen Chorauftritte ebenso wie das mit einem beweglichen Spiegelelement ausgestattete Bühnenbild von Stephan Mannteuffel, das mit den zwei geknickt aufragenden Ofenrohren eher skurril als gelungen daherkommt.
Hiroshi Matsuio – ein sonorer Daland – tritt anderthalb Akte lang wie Johannes Heesters als Champagnergraf auf (Kostüme: Veronika Lindner), um danach kurios zum Landjunker zu mutieren. Spielopernhaft pointiert erscheint seine Beziehung zu Judith Brauns Mary, einer auf Glitzerzeug scharfen, herausgehoben eleganten Erscheinung. Ungewöhnlich deftig auch die Dauerhatz der ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Hans-Klaus Jungheinrich
Wenn heute jemand eine Neuaufnahme von Schuberts «Winterreise» wagt, sollte er gute Gründe haben. Handelt es sich doch um den wahrscheinlich meisteingespielten Liedzyklus; eine neue Aufnahme wirkt schnell so überflüssig wie ein Kropf, wenn sie nicht Ausnahmerang gewinnt. Der Tenor Daniel Behle wagt gar zwei Einspielungen in einem Album – und hat überzeugende...
Das Auge hört mit. Nicht nur in der Oper. Manchmal mischt es sich so sehr ein, dass die Ohren das Nachsehen haben. Doch was, wenn nur das Ohr was sieht? Wenn die Bilder nicht von außen, sondern von innen kommen? Inspiriert durch Adriana Hölszkys Musiktheater «Tragödia – Der unsichtbare Raum» experimentiert die Berliner Regisseurin Sabrina Hölzer seit vielen Jahren...
Ran an die Raritäten
Erfurt macht «Sigurd» von Ernest Reyer, Osnabrück Manfred Gurlitts «Soldaten» und Oldenburg Mieczyslaw Weinbergs «Der Idiot». In Frankfurt gibt’s Antonio Cestis «L’Orontea», in Paris André Campras «Les Fêtes venitiennes» – der nächste Monat bringt Randständiges im Überfluss.
Wahn, Wahn, Wahn
Diana Damrau singt an der Bayerischen Staatsoper eine...
