Geliehene Gefühle
Es sollte der ganz große Wurf werden. Ein Werk, das als erste «Great Australian Opera» in die Geschichte eingehen würde. Vor zehn Jahren wurde es vom wichtigsten Musiktheaterinstitut, Opera Australia, bei Brett Dean, dem prominentesten Komponisten des Fünften Kontinents, in Auftrag gegeben. Nichts weniger als ein Meisterstück erhoffte sich Simone Young, die damalige Musikchefin in Sydney. Man kannte sich aus gemeinsamen Berliner Zeiten: Sie hatte während der neunziger Jahre Daniel Barenboim an der Lindenoper assistiert, er bei den Philharmonikern Bratsche gespielt.
Ein Stoff war schnell gefunden: eine Aussteiger-Geschichte, die heute, knapp drei Jahrzehnte nach ihrer Erstveröffentlichung 1981, zwischen Brisbane und Perth als Klassiker gehandelt wird. Peter Careys Roman «Bliss» hat(te) in Down Under Kultstatus, so wie einst Hermann Hesses «Steppenwolf» oder Jack Kerouacs «On the Road» in Europa und den USA. Mit Amanda Holden, Übersetzerin und Autorin zahlreicher Operntexte (unter anderem für Mark Anthony Turnages «The Silver Tassie»), hatte man zudem eine erfahrene Librettistin gewonnen, um Careys Bestseller-Prosa in ein attraktives, publikumswirksames und exportfähiges Bühnendrama ...
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