Geisterspiel

Japanisches Nō-Theater in der Pariser Cité de la musique

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Jedes der Stücke beginnt mit dem gleichen musikalischen Motiv hinter der Bühne, gefolgt vom ritualisierten Einzug der Musiker, gemeinsam mit dem Chor. Keine Frage: Nach hiesiger Terminologie muss man das Nō, die inzwischen 650 Jahre alte Form des japanischen Theaters, eindeutig dem Musiktheater zuschlagen, auch wenn man dabei eher an die antike Tragödie als an die neuzeitliche Oper denken sollte. Die Darsteller singen ihre Partien und tanzen sie auch in meistens langsamen, extrem stilisierten, dabei aber sehr kraftvollen Bewegungen auf der traditionell leeren Bühne.

Begleitet werden sie von zwei Trommeln und der Bambusquerflöte Nōkan, während der meistens einstimmig in tieferen Lagen singende Chor oft die Handlung erzählt oder die Gedanken der Figuren ausspricht. Daraus entsteht jene strikt antinaturalistische, auf Psychologie und alle Bühnenillusionen verzichtende Formstrenge, die auch viele westliche Theatermacher nachhaltig inspiriert hat.

Gelegenheit, Aufführungen tatsächlich zu sehen, hat man im Westen freilich nach wie vor selten, weshalb man der Pariser Cité de la musique dankbar sein muss, die im Februar eigens eine traditionelle Nō-Bühne in ihren Konzertsaal eingebaut ...

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Opernwelt April 2019
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Michael Stallknecht

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