Gefühlsproben
Ganz entspannt sitzen die Orchestermusiker auf der Bühne des Heidelberger Theaters, man wartet noch auf die Solisten. Offenbar soll eine sogenannte Sitzprobe stattfinden, in der die Sänger zum ersten Mal ihre Partien mit dem großen Orchester ausprobieren. Zur Sicherheit liegen die Klavierauszüge bereit, alle warten auf die Sopranistin. Schließlich wird es den Beteiligten zu dumm, sie fangen schon mal an mit der Konzertoper «Phaedra».
Kurz darauf hat auch die Diva ihren großen Auftritt, legt erst mal die Einkaufstüten ab, um gerade noch rechtzeitig für ihren Einsatz am Notenpult anzukommen.
Bei der Uraufführung an der Berliner Staatsoper hatte Regisseur Peter Mussbach in der Rauminstallation von Olafur Eliasson auf monumentale und rätselhafte Größe gezielt. Die tragische Liebe der Mutter zu ihrem Sohn trat in den Hintergrund zugunsten eines magischen Bildertheaters. Daniel Cremer stellt in seiner Inszenierung das Gemachte, das Brüchige des Stücks in den Vordergrund. Aus der Probensituation entwickelt sich geradezu beiläufig die Geschichte emotionaler Abhängigkeit und unbändigen Hasses. Der naive Hippolyt ist in Gestalt des elegant phrasierenden Emilio Pons zu Beginn noch ganz Tenor, ...
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Glücklich das Land, das keine Helden braucht, schrieb Bertolt Brecht. Hinsichtlich von Svätopluk dem Ersten aus dem Geschlecht der Mojmiriden (gestorben 894) ist der Slowakei in dieser Hinsicht kein Vorwurf zu machen, denn «Held» war er keiner. Vielmehr ein Realpolitiker höchsten Grades, rücksichtslos in der Durchsetzung seiner Ziele. Unter ihm wurde Großmähren zum...
Gleich vorweg: Dies ist eine Aufführungskritik. Sie beschäftigt sich mit der jüngsten Premiere der Deutschen Oper Berlin und nicht mit der Frage nach einer Vertragsverlängerung von Kirsten Harms oder der hauptstädtischen Opernsituation. Beides miteinander zu verknüpfen, ist so leicht wie unsinnig. Wir wünschen also vorweg der Deutschen Oper eine sichere und...
Seit einiger Zeit schon passen Theatermachern die Texte von Beethovens «Leonore»/«Fidelio» nicht mehr so recht ins Konzept. Mit dem Hohelied auf Ehe und Familie im Gefängnishof können sie so wenig anfangen wie mit dem Gottvertrauen des politischen Gefangenen im finsteren Verlies. Das Jubelkantaten-Finale erscheint gar als Zumutung – es wird gern als konzertanter...
