Vom Himmel hoch
Gleich vorweg: Dies ist eine Aufführungskritik. Sie beschäftigt sich mit der jüngsten Premiere der Deutschen Oper Berlin und nicht mit der Frage nach einer Vertragsverlängerung von Kirsten Harms oder der hauptstädtischen Opernsituation. Beides miteinander zu verknüpfen, ist so leicht wie unsinnig. Wir wünschen also vorweg der Deutschen Oper eine sichere und erfolgreiche Zukunft, die besser ausfällt, als das, was (auch unter Frau Harms) in den letzten Jahren passiert ist. Dafür kann die Intendantin nur zum Teil etwas. Pech hatte sie gewiss.
Aber auch Glück (die wievielte Wahl war Schlingensief bei Braunfels’ «Leben der heiligen Johanna»?). Sie hatte viel Vertrauen in die falschen Leute, keine gute Nase für spannungsvoll-kreative Konstellationen zwischen Künstlern und wohl auch ein Deutungstheater im Kopf, das von gestern ist. Die Balance zwischen Superstars, teurem Mittelmaß (der Gäste) und Ensemble stimmte nicht wirklich. Dennoch ist ein treues Publikum da, das die Deutsche Oper liebt; es gibt genügend Förderer und Fans (inzwischen auch von Frau Harms) und eine große Tradition. Vor allem: Das Potenzial innerhalb des Hauses ist enorm. Es lässt sich besser nutzen, vielleicht sogar ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auf dem Weg viele Stufen hinauf zur St. Peter-und-Pauls-Kathedrale, diesem wunderbaren Joint Venture von Romanik, Gotik und Barock, das die Altstadt von Brünn überragt, hören wir aus einem Haus eine keifend scharfe Frauenstimme. Da wir in Sachen Leos Janácek hier sind, wird uns sofort klar, woran sie uns erinnert: an Kostelnicka, die Küsterin aus «Jenufa» – eine...
Der wichtigste Job in amerikanischen Kulturinstitutionen ist der des Fundraisers. Zumal in turbulenten Zeiten. Ohne (oft hoch dotierte) Spendensammler, die Unternehmen und Privatpersonen Geld aus der Tasche ziehen, könnten Museen, Bibliotheken, Orchester und Opernhäuser in den USA einpacken. Das ist natürlich keine neue Erkenntnis: Zwischen New York und San...
Es gibt ein erhellendes Beispiel für die Utopie, die Illusion einer «Hölderlin-Oper». Eine solche Oper sollte und wollte der Münchner Komponist Wilhelm Killmayer vor zwei Jahrzehnten im Auftrag der Bayerischen Staatsoper schreiben. Das Projekt zog sich in die Länge, und irgendwann hatte sich Killmayer nach vielen ästhetischen und inhaltlichen Skrupeln eines...
