Ganz oben
So recht hat das Publikum des deutschen Nationaltheaters vermutlich noch immer nicht begriffen, was für eine Sensation es in den letzten Jahren miterleben durfte. Zwar verrät die Biografie im Beiheft der neuen Weimarer «Rigoletto»-Produktion, dass der Titelheld der Aufführung diese Rolle inzwischen auch an der Met, in Los Angeles und in Wien singt oder singen wird (im Verdi-Jubiläumsjahr 2013 auch an der Scala) – doch dass sie hier den derzeit besten Rigoletto der Welt hören, dürften wohl die wenigsten Besucher wissen.
Und doch ist es so: Der kometenhafte Karrieresprung des 39-jährigen George Gagnidze ist der eindrucksvollste Beweis dafür, dass das deutsche Stadttheatersystem nicht nur Sänger verschleißen, sondern auch Stars produzieren kann.
Nach einer ersten deutschen Karrierestation in Osnabrück ist der Georgier seit 2005 Mitglied des Weimarer Opernensembles und war hier als Miller, Nabucco und Jochanaan zu hören, während gleichzeitig seine Weltkarriere in Schwung kam – mit dem Scarpia in Luc Bondys «Tosca»-Neuinszenierung an der Met als jüngstem Höhepunkt. Klar, dass ein mittelgroßes Theater wie Weimar so jemanden nicht ewig halten kann, klar aber auch, dass man den Star pflegt, ...
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Verdis «Traviata» kann man auf unterschiedliche Weise erzählen. Dietrich Hilsdorf hat sich in Köln für die gesellschaftliche Variante entschieden und die Handlung ins «Restaurant Coquette» verlegt, in dem sich die Pariser Halbwelt trifft. Dieter Richters stimmiges Bühnenbild zeigt leicht verblasste Räume des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in denen die Melancholie...
Christian Pades Neuinszenierung an der Staatsoper ist die vierte Berlin-Potsdamer «Fledermaus» in drei Jahren. Eine Liebesheirat scheint es nicht gewesen zu sein. Eher eine Geschäftsbeziehung. Bühne und Orchester leben aneinander vorbei, ohne Notiz von
einander zu nehmen. Pade inszeniert Michel Houellebecq, Zubin Mehta dirigiert Hans Moser.
Regie-Idee war die seit...
Wenn er die Nase voll hat vom Standardrepertoire oder Regiekasperltheater, dann zieht es den Musiktheaterfan gern in die mitteldeutsche Provinz, wo sich in Chemnitz, Halle, Erfurt, vor allem aber in Gera eine bemerkenswerte Entdeckerlust findet. Unbekanntes, Sagenumwobenes, Rares wird da aus dem Fundus der Operngeschichte geborgen. Unlängst erweckte das Theater in...
