Melancholie des Verfalls
Verdis «Traviata» kann man auf unterschiedliche Weise erzählen. Dietrich Hilsdorf hat sich in Köln für die gesellschaftliche Variante entschieden und die Handlung ins «Restaurant Coquette» verlegt, in dem sich die Pariser Halbwelt trifft. Dieter Richters stimmiges Bühnenbild zeigt leicht verblasste Räume des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in denen die Melancholie des Verfalls nistet. Hier ist die im schwarzen Abendkleid wie ein Nachtvogel herausgeputzte Violetta (Kostüme: Renate Schmitzer) einsam von Anfang an und bleibt doch nie allein.
Die unablässig rotierende Drehbühne schleust sie durch den belebten Speisesaal und das Billardzimmer hinunter bis zum nüchternen Toilettenvorraum, wo der Tod sie erwartet. Das führt immer wieder zu stimmungsvoll konzentrierten Momenten, verunklart aber auch die Handlung, etwa wenn Violettas Zusammentreffen mit Germont père im selben Saal stattfindet wie das rauschende Fest zu Beginn. Hinterfangen wird die Szenerie von dem durch eine gläserne Wand abgetrennten Ballsaal, in dem fast durchweg getanzt wird. Erst zu den letzten Takten schiebt er sich frontal vor das Schlussbild – Symbol für die Gleichgültigkeit, ja eisige Kälte, mit der die Gesellschaft ...
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Regie-Idee war die seit...
