Gala für potente Kulinariker
Die beiden Züge rasen nicht aufeinander zu, sie stehen still. Führerstände einander zugekehrt, dummerweise auf demselben Gleis. Die Lokführer bleiben stur, Verhandlungen sollen nun klären, wer zurück in den nächstliegenden Bahnhof muss. «Im stillen Kämmerlein» sollen diese Gespräche geführt werden, so die Sprachregelung der Salzburger Osterfestspiele.
Und so verbreitet es auch Christian Thielemann, aktueller künstlerischer Leiter, während von Nikolaus Bachler, ab 2020 gegen Thielemanns Willen zum dortigen kaufmännischen Geschäftsführer, ab 2022 zum Intendanten gekürt, kein öffentliches Wort zu vernehmen ist.
Dafür, dass man Thielemann sein nach Bayreuth zweitliebstes Spielzeug wegnehmen will, ist der gerade 60 Gewordene bester Laune. Zumindest mimt er die Rolle gut. Vor allem im Graben des Großen Festspielhauses, wo eines seiner Leib- und Magenwerke auf den Pulten liegt. Mit den «Meistersingern von Nürnberg» hat er einst dortselbst den GMD-Posten ergattert. Mit Wagners Tragikomödie debütierte er 2000 in Bayreuth. Und nun führt er mit seiner Staatskapelle Dresden eine Art Interpretation 3.0 vor, bei der aus jeder Sechzehntelnote, besonders aus den geliebten Generalpausen ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Markus Thiel
Bei Wagners «Tristan und Isolde» entscheidet sich alles im Vorspiel. Schon die ersten vier Takte sind schicksalhaft – für die folgende «Handlung» im Allgemeinen wie für die Qualität jeder einzelnen Aufführung im Besonderen. Die in den Celli sich aufwärtsschwingende Sexte ist wohl das gefährlichste Entrée der Operngeschichte.
Alain Altinoglu weiß das. Zwar...
Abendstimmung am Nilufer. Wellen kräuseln sich, ein Gazeschleier dient als Folie für die Abbildungen altägyptischer Gottheiten und Hieroglyphen, am Horizont klebt eine blutrote Orange. Für Aida sind es die Minuten der Wahrheit. Die äthiopische Königstochter muss sich entscheiden zwischen Liebestod und Sklaverei (wobei ihr Ersteres um einiges plausibler erscheint),...
Darmstadt legt den Rückwärtsgang ein. Aber was 1912 Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss unter Assistenz Max Reinhardts nicht schafften – Molières comédie-ballet «Der Bürger als Edelmann» mit dem Operneinakter «Ariadne auf Naxos» zu einem Hybrid aus Wort, Tanz und Gesang zu verbinden –, ging auch in Christian Weises Darmstädter Inszenierung gründlich schief....
