Trostlos
Darmstadt legt den Rückwärtsgang ein. Aber was 1912 Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss unter Assistenz Max Reinhardts nicht schafften – Molières comédie-ballet «Der Bürger als Edelmann» mit dem Operneinakter «Ariadne auf Naxos» zu einem Hybrid aus Wort, Tanz und Gesang zu verbinden –, ging auch in Christian Weises Darmstädter Inszenierung gründlich schief. Er glaubte, es besser machen zu können als die beiden selbstkritischen Autoren der 1916 in der Neufassung ingeniös um ein Vorspiel erweiterten Oper. Aber genau das Gegenteil trat ein.
Bei der krachledernen Umpolung von Molières höfisch zeremoniösen Barockspektakel zum hippen Jazz-Musical erlitt auch der Operneinakter Schiffbruch.
Nicht genug, dass Weise eine neue, eigene Fassung des zusammengestrichenen Molière präsentierte und Strauss’ Schauspielmusik durch ein Jazz-Trio ersetzte, das als Barmusik durchgehen könnte, in diesem Kontext aber total deplatziert wirkte – das Ganze musste auch noch ein faxenhaft überdrehtes Rüpelspiel voll albernster Kalauer sein. Molières plastische Figuren schrumpfen zu aufgeblasen kostümierten Karikaturen: Jourdain, der neureiche Bürger und Opfer seines Größenwahns, ein ordinärer ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Uwe Schweikert
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