Furcht vor dem Lärm

Verdi: Macbeth Essen / Aalto-Theater

Opernwelt - Logo

Stefan Soltesz’ Schatten in Essen ist lang. Sechzehn Jahre führte er das Haus mit straffer Hand in die Oberliga der Opernhäuser, nun rücken seine Erben nach – und Soltesz hat alle geplanten Gastspiele an seinem ehemaligen Haus abgesagt. Dieser Spannungen ungeachtet wagt das neue Leitungsteam mit Hein Mulders als Intendant und dem tschechischen Dirigenten Tomás Netopil den direkten Vergleich mit der Soltesz-Ära: Zur Eröffnungspremiere setzt Mulders Verdis «Macbeth» auf den Spielplan und knüpft damit an die glanzvolle Verdi-Tradition des Hauses an.

Doch muss man diese Produktion wohl vor allem als einen insgesamt verhaltenen Versuch werten, nichts falsch zu machen.

Tomás Netopil ist als Dirigentenpersönlichkeit so ziemlich das Gegenteil von Soltesz, der stets auf muskulöse Brillanz bei maximaler Transparenz und drängende Tempi setzte. Netopil dagegen ist ein Mann der weicheren Töne, einer, der nachdenkliche, oft sehr ruhige Tempi wählt. Er schlägt elegant, geschmeidig, punktgenau, und seine Zeichensprache ist ausgesprochen schön anzusehen. Aus Verdis kontrastreicher, zwischen fahler Totenbleiche und gellendem Waffengerassel changierender «Macbeth»-Partitur holt er nie gehörte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Was der Hass nicht vermag

Die Zauberin Armida, die gegen ihren Willen dem Kreuzritter Ronaldo verfällt, hat auch einer Menge Komponisten der letzten 400 Jahre den Kopf verdreht. Von Lully bis Dvorák – wer hat nicht alles die Story vertont! Gluck tat es 1777 in Paris, bereits als berühmter Opernreformer. «Armide» hat allerdings nicht die Stringenz und dramatische Kraft seiner anderen...

Ohne Tragik

«Simon Boccanegra» hat lange gebraucht, bis er sich endlich gegen alle Widerstände durchsetzen konnte. Populär ist die düstere, schwermütig-pessimistische Oper auch heute nicht, gehört aber doch seit den 1950er-Jahren unbestritten zum Verdi-Kanon. Schallplattenaufnahmen sind rar, gelungene kann man an einer Hand abzählen. Die konzertante Produktion vom April 2013...

Doppelgriff

Unter all den Projekten zum Wagner-Jahr ist es vielleicht das aussagekräftigste: keine musikalische Überschreibung, keine szenische Reibung, sondern eine musikhistorische Verortung. Marc Minkowski dirigiert den «Fliegenden Holländer» doppelt, zum einen jene Frühfassung, die Richard Wagner 1841 im Pariser Vorort Meudon komponierte, zum anderen «Le Vaisseau fantôme»...