Furcht und Zittern
Der Meister spricht vom Band. Einar Schleef beschreibt das Umfeld seines Elternhauses in Sangerhausen. Auf dem Bühnenboden ist eine «Ernst-Thälmann-Adolf-Hitler-Hindenburg-Straße» aufgemalt. Eine verfallene Bühne, eine einfache Kirche, Lichtröhren, die als Pfeil nach unten zeigen – das morbide Bühnenbild stammt von der Berliner Volksbühne. Anna Viebrock hat es einst für Christoph Marthaler gebaut. Nun steht es im Salzlager der Kokerei Zollverein in Essen.
Als Koproduktion der RuhrTriennale mit der Bayerischen Theaterakademie August Everding hat Anna Viebrock «Die Nacht» von Einar Schleef inszeniert, einen seltsamen, kurzen Theatertext mit einer «Partitur», die aus dreiundsiebzig Stücken Wolfgang Amadeus Mozarts besteht.
Das bleibt Rohmaterial. Anna Viebrock hat mit dem musikalischen Leiter Christoph Hammer, der passenderweise auch am Hammerklavier sitzt, sechsundzwanzig Nummern ausgewählt. Es sind eher unbekannte Werke Mozarts, traurige, schattenreiche Lieder, übermütige, deftige Kanons, zarte Kammermusik, die das Kammerensemble der Neuen Hofmusik München mit subtiler Hingabe spielt. Schauspiel- und Gesangsstudenten in der Theaterakademie zeigen die Tristesse des lahmen Ostens, ...
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