Fremder Bruder Tod
Jeder stirbt für sich allein. Der Tod macht hilflos, sprachlos. Auf dem Weg vom Hier zum Dort ist der Mensch auf sich zurückgeworfen. Egal, woher er kommt. Egal, wo er steht. Egal, wer bei ihm ist. Wenn das sichere Ende naht, hilft nur noch Gott. Oder die Musik. Oder gar nichts. Denn der Tod ist auch banal, das Sterben eine ziemlich triviale Sache. Ein Geschäft zum Beispiel.
An einer Stelle seines mit Texten von Armin Petras und Jan Kauenhowen ins Jetzt transponierten Totentanzes an der Komischen Oper lässt Sebastian Baumgarten einen Dialog aus einem Bestattungsunternehmen einspielen.
Eine nette Frauenstimme erläutert Leistungen und Kosten des Rundum-Service: Trauerredner, Urnengröße, Blumenschmuck etc. Später stecken die Schauspieler Herbert Fritsch, Irm Hermann und Kathrin Angerer einen Pappsarg zusammen, zum Probeliegen. Ein gewisser Manfred (Hendrik Arnst) schwadroniert auf dem Krankenbett in Berliner Prolljargon mit seinem Tumor. Leichensäcke werden per Fließband entsorgt. Mit dem liturgischen Pathos des Mozart’schen «Requiems», dessen vierzehn Teile die dreiundzwanzig Szenen des knapp zweistündigen Abends musikalisch akzentuieren, hat all dies scheinbar wenig zu tun. Und dann ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vor fünf Jahren bescherte Kent Nagano Berlin an der Lindenoper eine neue «Turandot», die nicht nur aufhorchen ließ, weil das damals noch druckfrische Finale Luciano Berios auf den Notenpulten lag, sondern auch wegen ihres gehärteten, gleichsam trockeneisgekühlten Klangbildes (siehe OW 11/2003). Puccini, der Meister des molto cantabile hatte ausgedient, hier galt...
Musikalisch, stilistisch und dramatisch hat Puccini in «Il trittico» drei verschiedene, in sich schlüssige Welten entworfen. Jeder dieser Einakter könnte auch ohne die beiden anderen bestehen. Ein Haus, das alle Stücke an einem Abend zeigt, lässt sich so auf eine künstlerische Herausforderung ein, die der einer «Ring»-Inszenierung kaum nachsteht. In Los Angeles...
Man geht nicht zu weit, wenn man behauptet, dass der indische, seit Langem in London lebende Bildhauer Anish Kapoor das Ausufernde, ja Uferlose liebt. Gegen Gigantomanie von Arbeiten wie «Marsyas» (London), «Syayambh» (München) oder «Cloud Gate» (Chicago) mutet das Gebilde, das Kapoor für die Neuinszenierung von Debussys «Pelléas et Mélisande» am Théâtre La Monnaie...
