Fruchtbare Schmerzen

Gluck: Orfeo Berlin / Staatsoper im Schiller Theater

Opernwelt - Logo

Das also ist das Elysium. Diese knallbunte Skulptur, die ein bisschen nach kunstvoll zusammengedrückten Pappstreifen aussieht. Ein Dichterhimmel wohl: Choristen lümmeln darauf, durch Sonnenbrillen lesend. Sonst sieht nicht viel nach Star-Architektur aus im neuen «Orfeo» der Berliner Staatsoper – und das ist auch besser so. Nichts gegen das Gefältel.

Aber sollte ein Bühnenbild nicht Teil des Dramas sein statt Exponat?

Für die diesjährigen Festtage wollten Intendant Jürgen Flimm und Musikchef Daniel Barenboim noch einen weiteren Altmeister auf dem ­Besetzungszettel: Frank Gehry, der auch die Barenboim-Said-Akademie verantwortet. Intensiv betreut hat er die Produktion wohl kaum. Die Bühne entstand, verkündet etwas hilflos der Besetzungszettel, «in Kooperation mit Gehry Partners, LLP». Zum Glück geht’s meist dezenter, ja geschmackvoll zu. Die anfängliche Trauerszene beherrscht der Ofenschlund eines Krematoriums. Hoch züngeln die Flammen, Trauergäste defilieren, Euridice liegt still auf einer Bahre. Klagend knüllt Orfeo ihr Kleid. Am Ende steht er da mit einem Geigenkasten, Ascheflocken auf den Boden staubend, während Daniel Barenboim – nie hat er sich als Operndirigent so weit zurück ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Klangwerker der Schöpfung

Für Susanne Elgeti streift Dieter Schnebel noch einmal den Talar über, richtet das geteilte Beffchen des reformierten Protestanten, hebt die Arme und spricht den Segen für eine imaginäre Gemeinde. Die Kirche ist leer, der Atem geht schwer. Vom «Friede Gottes» hören jetzt nur die Regisseurin und ihr Team. Gut so?, fragt der Blick des Pfarrers a. D. Der «Friede...

Wert der Kunst

Der 1837 geborene Hans Sommer war eine Doppelbegabung: erfolgreicher Naturwissenschaftler und Komponist. Erst mit Ende 40 hängte er seinen Direktorenposten an der TU Braunschweig an den Nagel, um sich ganz der Musik zu widmen. In den letzten Jahren hat man peu à peu damit begonnen, Sommers Werke wiederzuentdecken. Beim Hören der jetzt in Gera aufgeführten...

Neue Stimmen

Zu den beglückendsten Erfahrungen in die Jahre gekommener Musikliebhaber gehört die Begegnung mit jungen Künstlerinnen und Künstlern, die ihre Kinder oder Enkel sein könnten. Die Norwegerin Mari Eriksmoen hat sich mit ihren Mozart-Auftritten im Theater an der Wien und beim Festival in Aix-en-Provence bereits einen Namen gemacht; in René Jacobs’ Einspielung der...