Frostige Perspektiven
Seit zweihundertfünf Jahren spielt Emanuel Schikaneder die Panflöte, oben auf dem Papageno-Tor seines Theaters an der Wien, dessen Recycling zum (Stagione-) Operntheater von der heimischen Fachpresse mit Jubel begrüßt wurde.
Dass aber das Haus in den letzten Jahrzehnten vor allem als Kommerzbühne diente und mit Musicals wie «Anatevka», «Der Mann von La Mancha» (mit dem großen Josef Meinrad), «Zorba», «Evita», «Jesus Christ Superstar», «Cats», «Das Phantom der Oper», «Les Misérables» und «Elisabeth» (in Harry Kupfers Inszenierung) das eigene Überleben sicherte, hätte Schikaneder wohl kaum gestört.
Denn der Textdichter der «Zauberflöte» war der Andrew Lloyd Webber oder Cameron Mackintosh seiner Zeit: ein Produzent, dessen künstlerische Vorstellungen sich ausschließlich nach den Wünschen der Leute richteten. Und die «Zauberflöte», aus deren Einnahmen er sich das Theater an der Wien, 1801 das größte und modernste der Donaumetropole, erbauen ließ, war als Volks- und Unterhaltungsstück konzipiert, als Musical von damals. Von solchen Zeiten kann man heute nur träumen. Oder besser nicht. Denn eine soziale Absicherung der Belegschaft und geregelte Gagen für die Kollektive gab es damals ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mit der «Proserpina» des erst in den 1990er-Jahren wiederentdeckten deutsch-schwedischen Komponisten und Mozart-Zeitgenossen Joseph Martin Kraus sowie der Uraufführung von Salvatore Sciarrinos jüngster Oper «Kälte» («Da gelo a gelo») hat sich Schwetzingen einmal mehr zu seiner Vorliebe für das Ausgefallene und Aparte bekannt. Beide Male wurde der Mut zum Risiko...
Noch vor der Ouvertüre baumelt ein riesiges Weihrauchfass über die Bühne. Dann verschwindet es, um erst in der letzten Szene wieder aufzutauchen. Es liegt im zersplitterten Bühnenboden – eine Bruchlandung. Natürlich ist das symbolisch gemeint. Natürlich ist eine solche Klammer zwischen Anfang und Ende immer wirkungsvoll. Doch zu retten ist dieser Abend mit solchen...
West-Berlin, Akademie der Künste, 29. Januar 1981. Eine bis dahin noch nie in Erscheinung getretene Gruppe um den Regisseur Henry Akina zeigt Poulencs «Voix humaine», Ned Rorems «Poems of Love and Rain» und Janáceks «Tagebuch eines Verschollenen». Der Spiritus Rector inszeniert, die musikalische Leitung hat Ivan Törzs. Drei Novitäten auf dem Berliner Spielplan....
