Fritz ist Franz

Strassburg | Schreker: Der ferne Klang

Opernwelt - Logo

Das ist das Faszinierende an Franz Schreker: wie er in seinem «Fernen Klang» die Handlung und ihr Transportmittel eins werden lässt. Präziser: Die Musik befördert das Geschehen und ist zugleich sein Gegenstand. Das setzt sich bei der ersten französischen In­szenierung überhaupt an der elsässischen Opéra national du Rhin fort: Marko Letonja lässt in seiner ersten Einstudierung als neuer Chefdirigent von Orchestre philharmonique de Strasbourg und Oper keinen Zweifel daran, dass es um die Musik selbst geht.

Am un­überhörbarsten gegen Ende, wenn der Komponist Fritz stirbt, der ein Leben lang dem Phantom eines Idealklangs nachgejagt ist, dieweil wispernde Geigen, Harfen-Glissandi und Silbertontropfen der Celesta die körperlose Form dieses Klangs endgültig aufspüren, das volle Orchester jedoch umstandslos seinen­ es-Moll-Einspruch dagegensetzt: Basta! Aus! Tod!

Das penetrante Näherrücken des fernen Klangs via Verstärker war zuvor ganz überflüssig. Zumal Letonjas Auslegung mit dem blendend reagierenden Orchester im Ganzen spürbar auf die leisen, die poetischen Werte der Musik, auf Diskretion, aufs Dämpfen zielt. Kammerkunst für große Besetzung. Obendrein: Instrumentalzauber pur, wenn das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Heinz W. Koch

Weitere Beiträge
Zweimal und nie wieder

Der Plan war ehrgeizig, und alle Beteiligten haben ihn ernst genommen. Trotzdem konnte er nicht funktionieren. Immerhin: Das Scheitern ist legendär. Jetzt lässt sich genauer als je zuvor nachverfolgen, was im Januar 1966 in einem überheizten Aufnahmestudio in New York passiert ist. An drei Tagen sollten Elisabeth Schwarzkopf und Glenn Gould Lieder von Richard...

Infos

Jubilare

An Selbstbewusstsein hat es Sumi Jo nie gemangelt. Auf ihrer Website posiert die 1962 in Seoul geborene und dort ausgebildete Sopranistin als Luxusgeschöpf vor einem Privatjet. Als 24-Jährige gab sie – nach weiterem Unterricht an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom – als Gilda in Verdis «Rigoletto» ihr Debüt auf der Opernbühne. Seitdem gastiert...

Schöne freie Welt

Die lustigste Episode steuert Steffen Schleiermacher bei. Berlin, Februar 2012. Der Leipziger Pianist bei den Vorbereitungen für ein Cage-Konzert in der Akademie der Künste. Im Zeitraffer sehen wir, wie Schleiermacher sich Stoppuhr, Spielkarten, Zinkwanne, Wasserkanne, Dampfradio und eine Entenpfeife am Steinway zurechtlegt – was der wohl einflussreichste...