Flachrelief
Jeder weiß, was gespielt wird. Von Anfang an. Und es sieht schwer danach aus, dass in dem braunschwarz furnierten Wohnregal, das Herbert Murauer auf die Bühne der Stuttgarter Oper gewuchtet hat, nicht die erste Swinger-Übung läuft. Was die drei Damen und die drei Herren schon so alles ausprobiert haben, wenn sich der Vorhang quietschend für das nächste Abenteuer hebt, bleibt natürlich verborgen. Die Ouvertüre jedenfalls lässt nichts blicken: Sylvain Cambreling und das Staatsorchester halten sich bedeckt.
Abgeklärt, fast beiläufig klingen die einleitenden C-Dur-Schläge, seelenruhig ebnen Oboen und Fagotte den Weg zur Dominante, aus der das Presto stürzt. Auch hier gerät nichts aus der Fassung: gedämpfte Gefühle statt rasender Herzen. Eingefroren, wie in einem Filmstill – so stellt der griechische Regisseur Yannis Houvardas uns die «Così»-Figuren vor. Erst das Triolen-Gemurmel der zweiten Violinen im G-Dur-Terzett erlöst sie aus der Starre, erst mit Ferrandos «La mia Dorabella» kommt etwas Bewegung in die Geometrie der Liebe.
Dorabella und Fiordiligi sind also eingeweiht, wenn Don Alfonso mit Ferrando und Guglielmo auf die Untreue der Bräute wettet. Sie wissen über das Komplott, die ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Albrecht Thiemann
Knopf drücken, auf Grün warten und rüber zur Freitreppe. So einfach lässt sich derzeit das Augsburger Theater besuchen, ganz unbehelligt von Bauzäunen oder Baggern. Der Vorplatz ist frisch herausgeputzt. Doch was drinnen wartet, verfolgt die Verantwortlichen bis in Leserbriefspalten, Stadtratsdebatten und unruhige Träume. 235 Millionen Euro soll die Sanierung eines...
Jubilare
Peter Schreier kam 1935 als Sohn eines Kantors und Lehrers in Meißen zur Welt. Als Mitglied des Dresdner Kreuzchores wurden ihm bereits früh Alt-Solopartien übertragen. Nach dem Stimmbruch begann er, sich die Tenorpartien in Bachs Passionen und Kantaten zu erobern, mit denen sein Name bis heute verbunden ist. Nach dem Abitur studierte er an der Dresdner...
Kaum zu fassen, dass das Publikum der Pariser Opéra Bastille ganze 112 Jahre auf Ernest Chaussons Meisterwerk «Le Roi Arthus» warten musste! Die Oper wurde 1903 am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel uraufgeführt, kam also ein Jahr nach Debussys «Pelléas et Mélisande» heraus – und vier Jahre, nachdem der Komponist mit seinem Fahrrad verunglückt war. Chaussons...
