Feuerwerk der Posen
Liegt es am Rummel um Raubkunst, Fälschungen und andere Skandale, dass vertrackte Opernhandlungen derzeit gern ins Kunstmilieu oder gleich ins Museum verlegt werden? Der Trick bietet sich ja an: Glamour, Verbrechen und Mordspreise liegen hier nahe beieinander. Dass die Metapher trotzdem langweilen kann, bewies kürzlich Alvis Hermanis in Salzburg mit seinem steifbeinigen Rampentheater-«Trovatore». Ungleich ertragreicher und witziger ist nun Damiano Michielettos furiose Deutung von Rossinis «Il viaggio a Reims».
Er lässt Rossinis spät wiederentdecktes dramma giocoso in einem sich ständig verändernden Einheitsraum spielen, der eine Mischung aus Galerie, Museum und Auktionshaus ist.
Die Krönungsoper zu Ehren König Karls X. von Frankreich spielt im Hotel zur «Goldenen Lilie», in dem die mehr oder weniger hochwohlgeborenen Gäste auf dem Weg zu den Krönungsfeierlichkeiten aufgrund logistischer Probleme unfreiwillig festsitzen. Die internationale Gesellschaft feiert schließlich ohne König eine eigene Party, die Rossini für eine rasante Abfolge von Bravournummern nutzt.
Die Revuemechanik lässt sich trefflich und sogar mit Gewinn in die Kunstwelt verlagern, und Michielettos Regie zieht alle ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Regine Müller
Vrenchen und Sali könnten glücklich sein. Wenn sie nicht das Pech hätten, aus zwei verfeindeten Bauernfamilien zu stammen. Und sie die gehässige Gesellschaft nicht in den Tod triebe. So funktioniert die gängige Lesart von Gottfried Kellers berühmter Novelle «Romeo und Julia auf dem Dorfe». Frederick Delius hat in seiner gelegentlich wieder aufgeführten Oper die...
Vielleicht hört den inneren Klang der Sprache und das Sprechen des Klangs besonders klar, wer alle Gewissheiten verloren hat. Wer sich der Leere einer selbstgewählten Aphasie aussetzt, Halt im Flugsand sucht. Wer das Nichts, die Stille als Resonanzraum wiederentdeckt. Und so Laute, Silben, Wörter, Geräusche, Töne, Melodien, Harmonien: die Grundstoffe jeder...
Wenn Opernkenner sich in den Pausen langer Wagner-Aufführungen unterhielten, kamen sie bisweilen auf Ernest Reyer zu sprechen. Der habe es nämlich gewagt, die Nibelungen-Sage ebenfalls zu vertonen. 1884, acht Jahre nach Wagners «Ring», sei das Werk in Brüssel uraufgeführt worden und in Frankreich bis zum Zweiten Weltkrieg recht erfolgreich gewesen, danach aber nur...
