Existenzielles Hören
Vielleicht hört den inneren Klang der Sprache und das Sprechen des Klangs besonders klar, wer alle Gewissheiten verloren hat. Wer sich der Leere einer selbstgewählten Aphasie aussetzt, Halt im Flugsand sucht. Wer das Nichts, die Stille als Resonanzraum wiederentdeckt. Und so Laute, Silben, Wörter, Geräusche, Töne, Melodien, Harmonien: die Grundstoffe jeder Sprachmusik und jeder Musiksprache wie Naturkräfte wahrnimmt, Lichtzeichen am dunklen Himmel.
Das Musiktheater Beat Furrers hat keinen festen Ort, keine festen Formen, keine lineare Handlung.
Es sind Stücke auf der Suche, aus Bruchstücken gefügte Fragen, immer im Fluss. Meditationen über Herkunft, Gegenwart und Zukunft, denen der Zweifel, die Verunsicherung eines unbehausten, forschenden Ichs eingeschrieben ist, das sich immer wieder neu erfinden muss. An der Grenze von Werden und Vergehen, Leben und Tod. Inspiriert durch Texte, die von der Antike bis ins Heute führen. Sechs «Opern» hat Furrer bislang geschrieben (darunter «Fama» und «Begehren»), eine siebte («La bianca notte») wird im Mai an der Hamburgischen Staatsoper uraufgeführt. Fünf Jahre nach dem «Wüstenbuch», das dank des Labels Kairos inzwischen als Mitschnitt einer ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Albrecht Thiemann
Tiefer in die Archivkiste kann man kaum greifen: Innerhalb von fünf Wochen bringt die Komische Oper Emmerich Kálmáns allerletzte, 1954 posthum in Basel uraufgeführte Operette «Arizona Lady» heraus und gleich danach «Eine Frau, die weiß was sie will!», komponiert 1932 von Oscar Straus für Fritzi Massary. Beide Stücke sind wahrlich keine Meisterwerke – und doch...
Die wohl bekannteste biografische Nachricht über den Barockkomponisten Antonio Cesti (1623-1669) besagt, dass der in päpstlichen Diensten Stehende um ein Haar exkommuniziert worden wäre, weil er einen Urlaub in Venedig überzogen und sich nicht rechtzeitig in den sixtinischen Hallen zurückgemeldet hatte; allein kaiserliche Protektion beschützte ihn vor weiterem...
In amerikanischen Opernhäusern geht es richtig streng zu. Man darf keine Kraftausdrücke benutzen, duldet kein sogenanntes «unangebrachtes Verhalten am Arbeitsplatz», sogar ob man Parfüm trägt, kann man nicht selbst entscheiden. Fluchen, Knutschen, Sprühen? Pustekuchen. Die ersten beiden Punkte regeln sich ganz von selbst, dafür sorgt schon die allgemeine Prüderie....
