Aus dem Leben eines Taugenichts
In amerikanischen Opernhäusern geht es richtig streng zu. Man darf keine Kraftausdrücke benutzen, duldet kein sogenanntes «unangebrachtes Verhalten am Arbeitsplatz», sogar ob man Parfüm trägt, kann man nicht selbst entscheiden. Fluchen, Knutschen, Sprühen? Pustekuchen. Die ersten beiden Punkte regeln sich ganz von selbst, dafür sorgt schon die allgemeine Prüderie. Aber auch die Sache mit dem Duft wird drüben sehr ernst genommen. Da geht es in Europa entschieden freizügiger zu. Saftige Libretti. Jede Menge Sex auf der Bühne. Ein Sopran, der ausschließlich Parfüm trägt: Chanel Nr.
5 faustdick hinter den Ohren.
Manchmal wünsche ich mir aber doch, meine europäischen Kollegen wären in Sachen Hygiene ebenso streng. Wobei mich das Chanel-Modell weniger stört. Aber neulich musste ich mir meine Garderobe mit einem jungen Bariton teilen. Es war ein Sonntagmorgen und in seiner Welt offenbar noch zu früh zum Duschen. Vielleicht hatte er es auch einfach nicht mehr nach Hause geschafft. Er kam in einer Wolke Marke Eigenduft. Im Kern Testosteron, Schweiß in den Randnoten. Und als Krönung Fußnoten.
Ich verkniff mir jeden Kommentar (auch wenn ich sehr wohl hoffe, dass sich da draußen jetzt jemand ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Mal ehrlich..., Seite 77
von Christopher Gillett
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