Es darf gelacht werden
In Gera hat ein neuer, dem dortigen Publikum als Regisseur aber nicht unbekannter Intendant kurzfristig – also ohne jeden Planungsvorlauf – die Leitung des in Finanznöten steckenden Theaters übernommen. An der Komischen Oper Berlin gestaltet ein erfolgreicher, aber dennoch um Zuschauer kämpfender Intendant seine letzte Spielzeit, bevor er an eine größere Bühne wechselt. In der thüringischen Provinz wie in der Metropole besinnt man sich auf die Volksoper schlechthin: «Carmen». Klar: Die Kassen sind knapp.
In beiden Fällen wird das Stück nicht als archaische Schicksalstragödie, sondern als Opéra comique aufgefasst, und zwar im Wortsinne: Es darf gelacht werden, und es wird gelacht. Schließlich stammt das Libretto von Meilhac & Halévy, den Hausautoren Jacques Offenbachs. Kurzweilig und streckenweise originell sind beide Produktionen; während man in Gera versucht, die mit dem Stück verbundenen Klischees zu vermeiden oder zu unterwandern, werden sie in Berlin zum Seitenthema der Inszenierung. Hier enden die Gemeinsamkeiten. Denn aus ähnlichen Prämissen ziehen Sebastian Baumgarten in Berlin und Kay Kuntze in Gera unterschiedliche Schlüsse. Das erstaunt nicht, wenn man weiß, dass ...
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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Ekkehard Pluta
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