Erinnerungen an ein «Wundertier»
Nur bei wenigen Sängern besteht unter Kritikern und Verehrern ein so einhelliger Konsens in der Beurteilung wie bei der Sopranistin Lucia Popp. Diejenigen, die sie noch live erlebt haben, bekommen oft feuchte Augen, wenn von ihr die Rede ist, und selbst hartnäckige Nörgler geraten ins Schwärmen. Das Klischee vom «Stern am Opernhimmel» erhielt bei ihr eine konkrete, wahrhafte Bedeutung, denn von ihrer Stimme und ihrem Vortrag ging ein stilles Leuchten aus, das innere Ruhe und Glücksgefühle hervorrufen konnte.
Lucia Popp, Tochter einer Sopranistin und eines Ingenieurs, hatte zunächst gar nicht an eine Laufbahn als Sängerin gedacht. Am 12. November 1939 in Ungeraiden in der Slowakei geboren, begann sie zunächst ein Medizinstudium, besuchte dann eine Schauspielschule und wirkte in zwei Spielfilmen mit. Nach dem Gesangsstudium in Bratislava und Prag debütierte sie 1963 in Bratislava als Königin der Nacht und wurde kurz darauf von Herbert von Karajan an die Wiener Staatsoper engagiert, wo sie damals überwiegend kleinere Rollen sang.
Umso sensationeller war die Entscheidung Walter Legges, sie für eine hochkarätig besetzte Schallplattenproduktion der «Zauberflöte» unter Otto Klemperer ...
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