Stilmix mit Goldstücken
Die Musik von Monteverdi, die Kostüme von Velázquez, das Bühnenbild von Magritte, das Make-up à la Marcel Marceau, die Körpersprache aus dem japanischen Nô Theater. Das war der erste Eindruck, als sich der Vorhang für Robert Wilsons «Orfeo»-Inszenierung an der Scala hob (eine Koproduktion mit der Opéra National de Paris; 2011 soll «Il ritorno d’Ulisse in patria» folgen, bis 2013 die Trilogie komplett an beiden Häusern herauskommen). Mit dem Skalpell seiner gewaltigen visuellen Expertise sezierte der amerikanische Regisseur das Stück.
Von den blumigen Auen Thrakiens, wo Nymphen, Schäfer und Tiere leben oder von den weiten Feldern der Unterwelt, die Proserpina zu Beginn des vierten Aktes heraufbeschwört, ist bei Wilson kaum etwas zu erkennen. Hier eine von düsteren Zypressenreihen durchfurchte Landschaft, über der Orpheus’ goldene Lyra als Mond scheint; dort eine Art Bunker, aus dem hin und wieder ein Lichtstrahl dringt, als schaue man einer «Fidelio»-Inszenierung aus den Fünfzigern im Stil Neubayreuths zu.
Aus all dem erdigen Grau, Grün, Blau und Anthrazit leuchteten nur wenige wärmere Töne, etwa das güldene Brokatgewand der Frau Musica oder dessen Reflex im Graben – der Binder, den ...
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Opernwelt November 2009
Rubrik: panorama, Seite 54
von Carlo Vitali,Übersetzung:Albrecht Thiemann
Der «Ring» am Landestheater Detmold ist geschlossen. Intendant und Regisseur Kay Metzger sowie Generalmusikdirektor Erich Wächter haben das Wagnis auf sich genommen und mit der «Götterdämmerung» jetzt einen klaren Sieg davongetragen. Vor allem dem Ensemble und dem Orchester des Landestheaters ist eine für ein Haus dieser Größe höchst beachtliche Leistung gelungen.
K...
Was die Ruhrtriennale von vielen anderen Festspielen unterscheidet, sind nicht zuletzt die Räume. Wer 2006 Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» sah, wird das Zusammenspiel von Zimmermanns multiperspektivischem Kugeltheater mit der monumentalen Stahlkonstruktion der Bochumer Jahrhunderthalle ebenso wenig vergessen wie die magische Aura, mit der die leergefegte...
«Ich will nichts Schönes und nichts Logisches», schrieb Manfred Gurlitt über seinen «Wozzeck» an Erika Mann, «ich will die Signale der Entmenschlichung ertönen lassen». Damit war präzise getroffen, was diese 1926 in Bremen uraufgeführte Oper von derjenigen Alban Bergs unterscheidet. Auch Berg geht es um Entmenschlichung; aber in Klang gefasst wird das mit einem...
