Endspiel einer Lebenslüge
Eine Goldküsten-Residenz, gebaut im tadellosen Schick nicht mehr ganz aktuellen Zeitgeschmacks. Ein Schlafgemach in Crème neben dem kühlen Speisesaal. Ein holzvertäfelter Flur, ein marmoriertes Büro, alles standesgemäß dimensioniert – die schönsten Interieurs sind eben doch in Zürich zu sehen. Ben Baurs Bühne schiebt sich hin und her, der Bildausschnitt wandert von Zimmer zu Zimmer und dann, ein Raunen im Publikum, noch weiter: In der nackten Garage blitzt ein sexy Porsche. Gut zwei Stunden geht es um die wahre Liebe, und hier endlich steht sie.
Zärtlich poliert der Hausherr die Kotflügel, versucht sich gar (vergebens) am Freitod durch Abgase.
Mit einer straffen Spielfassung der Oper «La verità in cimento» bricht das Opernhaus Zürich eine Lanze für Antonio Vivaldi. Straff führt auch Ottavio Dantone das Haus-Barockensemble La Scintilla. Zackig geht es durch das Endspiel einer Lebenslüge: Sultan Mamud hat seine beiden Söhne Zelim und Melindo nach der Geburt vertauscht, den Stammhalter mit dem Bastard, seiner Geliebten Damira zum Gefallen. Als er in vermeintlicher Altersweisheit den Fehler korrigieren möchte, geht alles den Bach runter: Baurs aufgeräumte Bühne – ein Schlachtfeld. Das ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Clemens Prokop
Der Startenor Adolphe Nourrit hatte 1829 in der Premiere von Rossinis «Guillaume Tell» die Rolle des Arnold gegeben; 1939/40 auch in Donizettis geplanter Oper «Les Martyrs» die Hauptrolle zu kreieren, war sein großer Wunsch. Es sollte nicht sein: Der von Depressionen geplagte Sänger stürzte sich im März 1839 aus einem Fenster in den Tod. Mit dem amerikanischen...
Wie der schlierige Bart eines Riesen streichen die Wolken über den eiszeitlich rundgeschliffenen Fels. 200 Regentage im Jahr zählt die Statistik für Bergen – heute ist einer davon. Das Wasser tropft nicht, es klatscht. Umso geisterhafter die Blüten der Apfelbäume, der Tulpen. Pralles Rot, ein Ausrufezeichen im feuchten Einheitsgrau. Pocht die Sonne tagsüber doch...
Ein Theaterkönig stirbt. Und mit ihm die Kunst des Hörens, das mehr ist als das Horchen. Vom Lauschangriff ist allerdings nicht die Rede, schließlich ist Luciano Berios Musiktheater «Un re in ascolto» gute 30 Jahre alt. In Kassel erweist er sich als erstaunlich lebendig. Das liegt vielleicht daran, dass diese azione musicale in due parti bei ihrer Uraufführung 1984...
