Zeitloser Abgesang
Ein Theaterkönig stirbt. Und mit ihm die Kunst des Hörens, das mehr ist als das Horchen. Vom Lauschangriff ist allerdings nicht die Rede, schließlich ist Luciano Berios Musiktheater «Un re in ascolto» gute 30 Jahre alt. In Kassel erweist er sich als erstaunlich lebendig. Das liegt vielleicht daran, dass diese azione musicale in due parti bei ihrer Uraufführung 1984 in Salzburg zwar ein Abgesang auf die Oper war – als Kunstform, als Irrenhaus und als eine Welt, die sich manchmal selbst genug ist –, dass dieses Schlusswort aber zeitlos zu sein scheint.
Damit auch alle begreifen, wie sehr sich das Musiktheater hier um sich selbst dreht, hat Ausstatter Mathis Neidhardt im Staatstheater Kassel eben dieses auf die Bühne gebracht. Im gespiegelten Foyer zum ersten Rang jongliert Regisseur Paul Esterhazy mit allen Bällen, die er greifen kann. Zweierlei hat er dazuerfunden: zum einen den vermeintlichen Zuschauer, der als Statist einspringen soll, dann aber alle Hände voll zu tun hat (der hochmusikalische Schauspieler Gunnar Seidel macht das eindrucksvoll). Zum anderen ist der Tod des Protagonisten Prospero (mit Nachdruck: Marc-Olivier Oetterli) hier ein Selbstmord, bei dem die aufgewickelte ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Rainer Wagner
Während man sich in Mailands Messe-Pavillons seit der Eröffnung der Weltausstellung Expo 2015 am 1. Mai dem globalen Thema «Welternährung» widmet, erwies man zur Saisoneröffnung an der Scala am selben Abend mit einer Wiederbelebung der «Turandot»-Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff (2002) neben Puccini zwei weiteren nationalen Musikgrößen Reverenz: Luciano Berio,...
Impressum
56. Jahrgang, Nr 7
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
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Best.-Nr. 752280
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 09.06.2015
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Ist’s nun eine Hommage an das realistische Musiktheater? Oder doch eher Bühnensymbolismus? Oder wird hier Büchners und Bergs harter Sozialrealismus mehr oder weniger mutwillig gegen den Strich gebürstet? Um es gleich zu sagen: Der «Wozzeck» an der Opéra de Dijon ist ein großer, ein großartiger Abend geworden. Weil die Regisseurin Sandrine Anglade, bekannt für ihre...
