Einsam unter Vielen
Oper? Natürlich nicht oder doch nur ein wenig. Szenisches Konzert? Eine Spur auch davon. Themenabend mit Musik? Schon eher. Indes, «Musik- und Tanztheater» nennen der deutsche Schauspielregisseur Sebastian Nübling und der belgische Choreograf Ives Thuwis ihr nicht ganz zweistündiges Basler Programm.
Eine «Méditation sur ma mort future» kündigt die Leuchtschrift Mitte links auf Muriel Gerstners Bühne an, dort, wo der Musiker(innen)trupp des La Cetra Barockorchesters postiert ist.
Und mit der «Meditation über meinen künftigen Tod» von Johann Jakob Froberger beginnt diese «Melancholia» denn auch: eine mit Musik aus dem 17. Jahrhundert gestützte (oder auch kontrastierte) Szenenfolge, die vom Finalduett aus Claudio Monteverdis «Poppea» bis zu John Dowlands «Time stands still» reicht und assoziativ um den Zustand der Melancholie kreist.
Das Kontrastive wie das Assoziative bleiben wichtig. So gut wie nie an diesem Abend wird die Musik bebildert oder per Bewegung ausgedeutet. Die zentrale darstellerische Stütze bilden die 19 Abgesandten des koproduzierenden Jungen Theaters Basel. Sie entern die Bühne regelrecht, füllen sie mit kraftvoller Präsenz. Die eine Auslegung: Melancholie bedeutet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Heinz W. Koch
«Ich bin dein Vater, deine Mutter, deine Oma und deine Schwestern», soll der Entführer Wolfgang Priklopil zu Natascha Kampusch gesagt haben, die er als Kind verschleppte und acht Jahre in einem Keller gefangen hielt. «Ich bin jetzt alles für dich. Du gehörst nur mir.» Im Programmheft zum neuen Nürnberger «Rigoletto» sind diese Sätze nachzulesen. Die junge...
Ganz anders hatten sich die Salzburger das vorgestellt, zum Beispiel mit einem Prolog. Die gealterte Maria, gestählt durch die Bandenkriege Manhattans, hätte da von ihrem Schicksal erzählen dürfen, von ihrer einzigen großen Liebe, von Tony. Und dann wäre sie ins Stück eingetaucht, hätte alles noch einmal durchlitten, was damals zwischen den Sharks und den Jets...
Opern-Tage» will das Festival in Rotterdam bieten. Unter dem Begriff wird an der Rheinmündung alles mögliche subsumiert: von objets trouvés über Klanginstallationen bis hin zu Essensschlachten in Reizwäsche. Gewiss, Gesang bekommen wir zu hören. Auch die eine oder andere Geschichte serviert. Aber Oper?
Man nehme etwa den diesjährigen «Parsifal»: Zwar spielt ein...
