Eins mit dem Anderen
Ein persönlicher Text von mir zu Darmstadt und zur Oper hat etwas von der Perspektive eines Scheidungskindes. Ich fühle mich wie ein Zögling beider ästhetischer Sphären, deren Beziehungsstatus gut mit dem Facebook-Begriff «it’s complicated» beschrieben werden könnte. Er ist voller Widersprüche.
Deren genauere Betrachtung scheint jedoch interessant nicht bloß im Blick auf meine eigene künstlerische Identitätsbestimmung – dieselben Widersprüche kennzeichnen meine kompositorische Arbeit, insbesondere meine Opern «Fremd» und «Kaspar Hauser» –, sondern auch für das Verständnis der Identität beider Institutionen und ihrer Ästhetiken.
Für einen jungen Komponisten, der Ende der 80er-Jahre, Anfang der 90er-Jahre heranwuchs, hatte der Begriff «Darmstadt» bereits eine unglaublich starke Aura. Bis heute benennt er nicht einfach nur einen alle zwei Jahre stattfindenden Sommerkurs für Neue Musik, sondern er ist synonym geworden mit einer spezifischen musikalischen Ästhetik: der Utopie des befreiten Klanges. Befreit von außermusikalischer Rhetorik, Repräsentation, Ausdruck; von Tradition und ihren Stereotypen; von Tonalität im weitesten Sinne: aller Gesetzmäßigkeit «außerhalb» eines Werkes. Sich ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Hans Thomalla
Über die Notwendigkeit mancher Ausgrabung lässt sich streiten (sie-he OW 4/2016, S. 71), über diese nicht: Was die Stiftung Palazzetto Bru Zane hier vorlegt, ist ein abgeklärtes Meisterwerk. Gewiss: Bei den Zeitgenossen konnte sich dieser Spätling Gounods nicht durchsetzen, aber das gelang in Paris keiner einzigen historischen Oper nach Meyerbeers «Prophète»....
Ein wenig muss man an die dekadente, mit Schmuck behängte Klytämnestra des Librettos denken, wenn man den Saal der Staatsoper Prag mit seiner Orgie goldüberzogener, spiegelglänzender Balkons betritt. In dem 1888 eröffneten Haus war die Dresdner Uraufführungsproduktion von 1909 schon ein Jahr später zu Gast, und nur ein Zerwürfnis des Intendanten Alfredo Neumann mit...
Peter Maxwell Davies hat sich immer dafür eingesetzt, auch Amateuren und Kindern Zugang zur klassischen Musik zu verschaffen. Und er war fasziniert von den Mythen der schottischen Orkney-Inseln, wo er sich 1971 niederließ. In seiner letzten Oper fließen diese Interessen ineins. Die Story: Das Seeungeheuer Nuckleavee bedroht die Orkneys. Der Knabe Magnus tut sich...
