Eine Dreiecksgeschichte – weiter nichts?

Andrea Moses deutet Bergs «Wozzeck» in Stuttgart als politische Parabel auf die Gegenwart

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Dass das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimmt, darin ist sich Andrea Moses, die jetzt in Stuttgart Bergs «Wozzeck» herausgebracht hat, mit Karl Marx, aber auch mit Michel Foucault einig. Sie holt Bergs bedrückende Musikalisierung von Büchners Parabel in die unmittelbare Gegenwart und rückt sie den Zuschauern hautnah auf den Leib.

Christian Wiehles Drehbühne zeigt ein Schützenhaus – ein verschachteltes Gebilde von Innen- und Außenräumen mit Schießanlage (samt überdimensioniertem Opernglas als Zielscheibe!) im Zentrum.

Der schwadronierende Hauptmann mutiert zum Vereinsvorsitzenden, der gockelhafte Tambourmajor zum Schützenkönig, der zynische Doktor zum Komplizen der Pharmalobby, Wozzeck zum schikanierten Hausmeister, Marie steht an der Theke, Margret ist die kesse Bedienung, die Kinder spielen Indianer. Die Soldaten, Handwerksburschen und Dienstmägde Bergs werden detailscharf als verspießerte Bürger der Jetztzeit vorgeführt, die sich noch in der Kneipe die Langeweile mit Waffen vertreiben. Im Übrigen geht es handfest zu. Die resolute Marie und der Tambourmajor treiben es auf dem Motorrad, mit dem der brutale Sexprotz sie rumkriegt. Wozzeck ersticht Marie im Hinterhof, ...

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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Uwe Schweikert

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