Ein Traum – das Leben
Es kann so einfach sein. Ein kleiner Trick, ein genaues Lesen, und schon entsteht theatralische Wahrheit dort, wo man sie nie vermutet hätte. Denn seien wir ehrlich: Ist Donizettis «Lucrezia Borgia» nicht eigentlich ein Himmelfahrtskommando für jeden Regisseur? Gift und Gegengift, Mutterliebe und Muttermonster, Ehehölle und höllische Ehrbegriffe. Victor Hugo hat alles zusammengeklaubt, was die finstere Renaissance an Mord und Totschlag hergab. Der Name Borgia ist Programm. Und er ließ sich prächtig implantieren in die affektierte Düsternis der französischen Romantik.
Wenn Donizetti das Ganze mit Harfenglitzern und melodischer Edeldiskretion beleuchtet, wird es kaum logischer. Oder doch?
Christof Loy versucht auf der leeren, nur aus abgenutztem Bretterboden und einer halbhohen Rückwand mit den neonbeleuchteten Lettern der Titelfigur bestehenden Bühne gar nicht erst, eine Geschichte mit Anfang und Ende zu erzählen. Er nimmt den aktlangen Prolog als das, was er ist: eine Richtmarke für alles Folgende. Lucrezia und ihr Sohn Gennaro begegnen sich in einer Art Traumspiel. Nicht wirklich, aber eben doch viel scheuer, zärtlicher, wahrer, als es in der Realität je möglich wäre. Bei (fast) ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Er floh vor der pietistischen Enge seiner Heimatstadt in die großen Metropolen, sobald er konnte. Er war attraktiv und eloquent, kreativ, polyglott und scharfzüngig. In seinen Opern war er der größte Frauenversteher des Barock. Trotzdem hatte er zeitlebens keinen belegbaren intimen Kontakt zum anderen Geschlecht. Wenn man die gesicherten Eigenschaften und...
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich kann mir gut vorstellen, dass viele von Ihnen heute mit Skepsis ins Radialsystem gekommen sind. Sagen wir es mit einem Titel von Botho Strauß: Bekannte Gesichter – gemischte Gefühle. Was sollen sie denn bringen, solche Diskussionsrunden? Ist es nicht immer dasselbe: Letztlich reden die Beteiligten erst höflich, dann...
Noch ehe die Kontrabässe zum tiefen Es des «Rheingold»-Vorspiels ansetzten, konnten Wagner-Fans sich über den just gestarteten neuen «Ring»-Zyk-lus an Plácido Domingos Los Angeles Opera orientieren: Fotos zeigten vorab die in kräftigen Farben leuchtenden, wilden Fantasieräume, die der Bühnenbildner und Regisseur Achim Freyer für das Projekt entworfen hat. Eine...
