Wagners Figuren sind uns fern
Noch ehe die Kontrabässe zum tiefen Es des «Rheingold»-Vorspiels ansetzten, konnten Wagner-Fans sich über den just gestarteten neuen «Ring»-Zyk-lus an Plácido Domingos Los Angeles Opera orientieren: Fotos zeigten vorab die in kräftigen Farben leuchtenden, wilden Fantasieräume, die der Bühnenbildner und Regisseur Achim Freyer für das Projekt entworfen hat. Eine Kunstwelt, die in sich zu ruhen scheint, mythisch aufgeladen, zugleich radikal persönlich. Bei dieser Kombination denkt man unwillkürlich an Träume, wo ja auch Archetypen an Bilder rein privater Natur andocken.
Ist es diese Mischung, die Freyer anstrebt?
«Der Begriff ‹Traum› ist sicher falsch», erklärt Freyer. «Es handelt sich um eine Ebene, die wir nicht kennen, eine Ebene des Ungesehenen. Wie ist die Welt entstanden? Wie ist Wasser, wie sind Feuer, Erde, Luft entstanden? Wie hat sich die Götterwelt eingestellt? Aus dieser Ungesehenheit, aus der ganzen unbewussten Wahrnehmung der Welt, aus der Spekulation, die man darüber gemacht hat, ist man verführt, Bilder zu schaffen. Jeder trägt diese Bilder in sich. Sie sind nicht Realität und sind nicht Traum.»
Wenn man Achim Freyer zuhört, hat man das Gefühl, als verfolge man einen ...
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