Ein Mann mit vielen Gesichtern
«Solange ich noch über ein wenig Atem verfüge, werde ich singen», verkündete Giuseppe Taddei zuversichtlich, als er 90 wurde. Da lag sein Abschied von der Bühne gerade drei Jahre, sein Debüt bereits stattliche sieben Jahrzehnte zurück. In Rom war es, im Sommer 1936, als er als Heerrufer im «Lohengrin» neben Beniamino Gigli zum ersten Mal die Szene betrat. Die Opernwelt hatte nicht auf ihn gewartet, denn sie war damals reich an großen Stimmen im dramatischen Baritonfach.
Deshalb musste sich der junge Sänger mit kleinen und manchmal kleinsten Rollen (wie dem Kappadozier in «Salome») nach oben arbeiten. In diesen Lehrjahren an der Römischen Oper stand oft Tito Gobbi gemeinsam mit ihm auf der Bühne, der später in einigen Partien sein stärkster Konkurrent werden sollte. Bemerkenswert eine italienische «Götterdämmerung» unter Tullio Serafin (1940) mit Gobbi als Gunther und Taddei als Alberich.
Die große Karriere begann erst nach dem Krieg. Durch Herbert von Karajan kam er 1946 an die Wiener Staatsoper, die seine eigentliche künstlerische Heimat wurde und in der er in 44 Jahren 27 Rollen in 431 Vorstellungen gesungen hat. Von Wien aus eroberte sich Taddei bald alle großen Bühnen der Welt. ...
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