Ein Bett im Sternfeld
Zwischen den Laken tummeln sich die Marschallin und ihr junger Geliebter Octavian. Unterm Nachthimmel, im Liebesglück. Dann bricht die Außenwelt in ihre Zweisamkeit ein, fliegen Wände und Decke eines prachtvollen Salons heran. Die Vision der freien Liebe ist vorbei, die beiden erwachen im goldenen Käfig.
Mathis Neidhardts Bühnenbild ist das zentrale Element in Jens-Daniel Herzogs Inszenierung des «Rosenkavalier».
Die Welt gerät aus den Fugen, im zweiten Akt ist das Zimmer schon wieder gekippt, im dritten zerstört, eine Ruine, in der die Demütigung des alten Lüstlings Ochs von Lerchenau stattfindet. Das berühmte Terzett singen Marschallin, Octavian und Sophie quasi konzertant, direkt ins Publikum. Am Ende steht da wieder das Bett unter den Sternen. Nur liegen jetzt Octavian und Sophie darin, die Marschallin schaut aus der Ferne zu. Durch ihren Verzicht hat sie eine neue Vision der Liebe ermöglicht.
Jens-Daniel Herzog folgt mit feiner Personenführung den seelischen Entwicklungen der Figuren, erzählt jederzeit schlüssig und kurzweilig, fast wie im Schauspiel. «Komödie für Musik» haben Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal ihr Stück ja auch genannt – Herzog wird dem gerecht, mit ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Stefan Keim
Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen überall hin. In der Lübecker Aufführung von Hector Berlioz’ «La Damnation de Faust» darf Marguerite nicht als unschuldige Seele dem Ruf der himmlischen Geister folgen. Sie ist vielmehr ein gefallener Engel, der sich in einen Vamp verwandelt und den Verderber umarmt, lasziv küsst: Méphistophélès. Marguerite hat viel...
Mit zwei Alleinstellungsmerkmalen wollte Dessaus scheidender Intendant André Bücker seinen «Ring» unverwechselbar machen: Zum einen ließ er Raum und Kostüme im Stil von Oskar Schlemmers Bauhausbühne gestalten; zum anderen erzählte er die Story rückwärts, die «Götterdämmerung» stand also am Anfang (Premiere war im Mai 2012). Das ist die Reihenfolge, in der Wagner...
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