Ein Bett im Schnee
Es gibt sie ja, die Regisseure, die statt des ihnen aufgetragenen einen Werks gleich zwei oder drei auf einmal inszenieren. Patrice Chéreau war so einer, der Bedeutungsebenen übereinanderschichtete. Der aktuell bemerkenswerteste Fall ist Stefan Herheim. Und Norweger wie er ist auch der vom Schauspiel kommende Ole Anders Tandberg – der jetzt bei seinem Debüt am Zürcher Opernhaus mit «La Bohème» ebenso verfuhr. Da galt es natürlich dem, was Giacomo Puccini und seine Librettisten sich vorstellten, aber eben auch einer abendfüllenden Parallelaktion.
Die vier Hungerkünstler werkeln in einem norwegischen Volkshaus vor sich hin: Es gibt eine kleine Bühne auf der Bühne, auf der des Literaten Rodolfo neues Drama aufgeführt werden soll. Immer wieder wehen Paris-Fantasien vorüber. Auf der Miniaturszene steht, mitten im verschneiten Tannenwald, auch das Bett, in dem unser Dichter mit der Nachbarin Mimì verschwindet, ehe er mit seiner neuesten Eroberung im Pariser Heiligabend-Rummel auftaucht.
Dort erlebt die gewandte Inszenierung ihren turbulent-verquirlten Höhepunkt. Dabei gelingt es Tandberg im Einklang mit Puccinis Musik, die intimeren Momente aus dem Massenauflauf herauszulösen und in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Heinz W. Koch
Im globalisierten Opernbetrieb müssen Sänger selbstverständlich auch in Sprachen singen, die sie nicht beherrschen, und die Partien notfalls phonetisch lernen. Oft ist das Ergebnis unbefriedigend. Längst sind Übertitel nötig, damit das Publikum Texte in seiner Muttersprache versteht. Der Frage, ob diese Texte phonetisch «entstellt» überhaupt noch verstehbar sind –...
Zwei Meister der Stille und der minimalistischen Reduktion haben in einer ehemaligen U-Boot-Fabrik in Tallinn zu einer Musiktheater-Produktion zusammengefunden (siehe OW 7/2015): der estnische Komponist Arvo Pärt und der amerikanische Theaterkünstler Robert Wilson, der vier Kompositionen Pärts – «Sequentia», «Adam’s Lament», «Tabula rasa» und «Miserere» – zu einer...
Ihre erste gemeinsame Arbeit für die Musiktheaterbühne wurde vor 15 Jahren in San Francisco uraufgeführt: «Dead Man Walking». Seitdem sind Jake Heggie und sein Kompagnon Terence McNally ein gefragtes Gespann. An der Dallas Opera meldeten sich der Erfolgskomponist und der Erfolgsdramatiker unlängst mit ihrer jüngsten Errungenschaft zu Wort: «Great Scott». Eine, um...
