Aus der Mottenkiste
Ihre erste gemeinsame Arbeit für die Musiktheaterbühne wurde vor 15 Jahren in San Francisco uraufgeführt: «Dead Man Walking». Seitdem sind Jake Heggie und sein Kompagnon Terence McNally ein gefragtes Gespann. An der Dallas Opera meldeten sich der Erfolgskomponist und der Erfolgsdramatiker unlängst mit ihrer jüngsten Errungenschaft zu Wort: «Great Scott». Eine, um es gleich zu sagen, ungelenke, überfrachtete Backstage-Comedy, die Heggie wieder einmal nutzt, um seine kompositorischen Anverwandlungskünste auszustellen.
Alles überzuckert mit der für ihn typischen sangbar-klebrigen Melodienglasur, versteht sich.
Und so geht der dünne Plot: Die berühmte Opernsängerin Arden Scott steckt in der Midlife-Crisis. Sie kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um mit der Uraufführung einer verloren geglaubten Belcanto-Oper an vergangene Bühnenerfolge anzuknüpfen. Zu dumm, dass am Premierenabend das lokale Football-Team ein wichtiges Spiel zu bestreiten hat. Schon diese Koinzidenz wirkt so konstruiert wie die meisten Einfälle des Librettisten. Probenszenen und Sequenzen aus der Vorstellung des wiederentdeckten Werks alternieren mit sentimentalen Flashbacks der Sängerin. Mal sinniert sie über ihre ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Heidi Waleson
Am Ende fallen die vermeintlich Geschädigten bei Achim Freyer an der Wiener Volksoper über Don Giovanni her, zerreißen ihn, statt ihn zur Hölle fahren zu lassen, und vertilgen ihn genüsslich. «Questo è il fin di qui fà mal», so ende, wer Böses tut, behaupten sie im Besitz selbstgerechter Moral. Der Verführer und Wüstling ist perdu, das Leben kann seinen normalen...
Ich bin nicht stolz», sagt Michail Jurowski am Ende seiner «Erinnerungen», die der Henschel Verlag anlässlich seines 70. Geburtstags am 25. Dezember herausgebracht hat. «Ich bin glücklich.» Dabei hat er es wahrlich nicht leicht gehabt in seinem Künstlerleben. Am eindrücklichsten bleiben jene Passagen in Erinnerung, in denen es um den Antisemitismus in der...
Der Mensch neigt bekanntlich dazu, das Glas als halbleer zu betrachten. Er sehnt sich nach dem, was er nicht hat, nicht haben kann und vielleicht auch niemals haben wird. Opernfreunden geht es da nicht anders. Sie trauern um die vielen verlorenen Werke aus der frühen Zeit des Musiktheaters, ganz besonders um die aus der Feder Claudio Monteverdis. Dabei weiß gerade...
