Eggert: Die Schnecke
Moritz Eggert, Wilhelm Killmeyers Meisterschüler, greift gekonnt und zielsicher in die Farbkiste der Musikgeschichte und bedient sich im Fundus der Stile. Sein Sing- und Tanzspiel «Die Schnecke» hatte bereits 2004 in Mannheim für Furore gesorgt, obschon der eine oder die andere nach der Uraufführung gefordert hatte, den Komponisten samt Librettisten Hans Neuenfels in eine Gummizelle zu stecken.
Eggert hat nun im Auftrag des Luzerner Theaters den «bayreuthisch dimensionierten Orchesteraufbau der Uraufführung» (Eggert) umorchestriert, wobei ihm Daniel Hensel, Joachim Schneider und der Luzerner Dirigent Mark Foster tatkräftig zur Seite standen. An der doppelbödigen Ironie und an der Verspieltheit, mit der Eggert im Orchestergraben und auf der Bühne seinen bunten Mix aus Musik und Geräuschen, Text und Schneckengeschmatze aufbereitet, hat sich durch die Verdünnung wenig geändert. Aus dem kleinen Graben rauschte es auf, schmetterte und schluchzte es. Mark Foster musizierte mit dem Luzerner Sinfonieorchester brillant und mit großer Vitalität. Eggerts Musik ist für alle Sänger dankbar und wirkungsvoll geschrieben. Das Ensemble zeigte sich im besten Lichte. Gregor Dalal imponierte als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nicht nur einmal passiert es an diesem Abend, dass man an den Titel eines Romans von George Perec erinnert wird, der paradigmatisch steht für den Versuch der Spezies Mensch, sich zurechtzufinden im irdischen Labyrinth: «Das Leben. Eine Gebrauchsanweisung», so hat Perec sein Gesellschaftsgemälde genannt, in dem die Menschen durch das Bild der Welt und durch ihr...
Warum Düsseldorfs Opernchef Tobias Richter als letzte Neuproduktion für die räumlich beengte Ausweichspielstätte RheinOperMobil ausgerechnet Charles Gounods «Faust» auf den Spielplan setzte, bleibt auch nach Besichtigung des musikalisch-szenischen Ergebnisses eine offene Frage. Nicht die frühe Dialogfassung von 1859 wird gespielt, sondern die erheblich erweiterte,...
Stutzig werden wir erstmals bei der Durchsicht des Theaterjournals. Ganz unten auf der Besetzungsliste steht eine Person, die wir bislang nicht kannten: «Das Rheingold». Und tatsächlich, David Greeves, im Programmheft als Tänzer, Choreograf, Akrobat, Trapezkünstler und Schauspieler ausgewiesen, hangelt sich am Seil aus dem Straßburger Schnürboden: ein güldener...
